Europa - Türkei (Europa/Asien) - Edirne

Zwischen zwei Welten: Eine Reise nach Edirne

Der Geruch von starkem türkischem Tee und süßem Baklava hing in der Luft, vermischt mit dem Lärm der Gepäckbänder. Ich stand also da, am Flughafen Edirne, leicht desorientiert, aber glücklich. Die Luft war warm, fast schon stickig, aber es war eine angenehme Wärme, die ein Versprechen von Abenteuer und Entspannung in sich trug. Nach Monaten der Planung und Vorbereitung war ich endlich angekommen, bereit für mein kleines, persönliches Yoga-Retreat, das mich diesmal nicht in die üblichen Verdächtigen wie Bali oder Costa Rica führen würde, sondern hierher, in die Türkei – genauer gesagt, an den Schnittpunkt Europas und Asiens.

Eine Reise der inneren Einkehr

Ich bin Sarah, 32, und unterrichte Yoga und meditiere schon seit fast zehn Jahren. Die Arbeit mit meinen Teilnehmern und das gemeinsame Erleben von Achtsamkeit und Bewegung ist wundervoll, aber es gibt Momente, in denen ich selbst wieder auftanken und neue Energie tanken muss. Und ich habe festgestellt, dass das für mich am besten funktioniert, wenn ich mich an Orte begeben kann, die nicht nur meine Sinne anregen, sondern auch eine tiefe kulturelle Resonanz in mir auslösen. Die Türkei schien mir da perfekt. Nicht das typische Urlaubsland, das von Touristen überlaufen ist, sondern ein Land mit einer reichen Geschichte, einer vielfältigen Kultur und einer spirituellen Tiefe, die mich schon lange fasziniert hat.

Warum gerade Edirne?

Edirne, eine Stadt im europäischen Teil der Türkei, war keine zufällige Wahl. Ich hatte in einem alten Reiseführer von den zahlreichen historischen Moscheen und dem pulsierenden Sufi-Einfluss gelesen. Sufismus, die mystische Strömung im Islam, hat mich immer besonders angezogen, weil sie so sehr auf die Suche nach der inneren Wahrheit und der Verbindung zum Göttlichen ausgerichtet ist – Themen, die auch im Yoga eine zentrale Rolle spielen. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, diesmal nicht nur Yoga zu praktizieren, sondern auch die lokale Kultur intensiver kennenzulernen – die Küche, die Handwerkskunst, die Menschen. Edirne schien mir da der ideale Ausgangspunkt.

Der Transfer vom Flughafen in die Stadt war kurz und unkompliziert. Ich hatte im Voraus ein kleines Boutique-Hotel in der Altstadt gebucht, das "Hotel Edirne Saray". Schon beim Ankommen fiel mir auf, dass die Straßen hier anders waren als in Istanbul, das ich vor ein paar Jahren besucht hatte. Viel weniger Touristen, dafür mehr lokale Geschäfte und Cafés, in denen die Menschen gemütlich zusammensitzen und Tee trinken. Es war eine sehr authentische Atmosphäre, die mich sofort in ihren Bann zog.


Mein Hotelzimmer war schlicht, aber charmant eingerichtet, mit einem kleinen Balkon, der auf eine ruhige Gasse hinausblickte. Ich packte meine Yogamatte aus und stellte meine kleinen Altäre auf – ein paar Fotos von meinen Lehrern, ein paar Kristalle, ein Räucherstäbchen. Das ist meine kleine Routine, um mich in jedem neuen Ort zu Hause zu fühlen. Nach einer kurzen Pause machte ich mich auf den Weg, um die Stadt zu erkunden.

Erste Schritte in die Geschichte

Die Altstadt von Edirne ist ein Labyrinth aus engen Gassen und verwinkelten Straßen. Überall sind historische Gebäude zu sehen, Moscheen, Medresen (islamische Schulen), Karawansereien (Gasthöfe). Ich begann meinen Spaziergang am Selimiye-Komplex, einer beeindruckenden Moschee, die von dem berühmten osmanischen Architekten Sinan entworfen wurde.

Die Moschee ist ein Meisterwerk der islamischen Architektur, mit ihren hohen Minaretten, den eleganten Bogenfenstern und dem riesigen Innenraum. Ich zog meine Schuhe aus und betrat die Moschee, um die Atmosphäre aufzusaugen. Es war still und friedlich, nur unterbrochen vom leisen Murmeln der Gebete. Ich setzte mich auf den Teppich und schloss die Augen, um mich zu konzentrieren. Die Energie dieses Ortes war spürbar, eine Mischung aus Spiritualität, Geschichte und Schönheit.


Später am Tag wanderte ich durch die Basare, vorbei an Ständen mit Gewürzen, Textilien, Schmuck und Handwerkskunst. Die Gerüche waren überwältigend, eine Mischung aus süßen Düften, exotischen Gewürzen und frischen Kräutern. Ich kaufte ein paar kleine Souvenirs, eine handgemachte Keramikschale und eine Packung türkischen Tee. Ich wollte mir ein Stück dieser Kultur mit nach Hause nehmen. Die ersten Stunden in Edirne hatten mich bereits verzaubert. Diese Stadt, so anders als alles, was ich bisher erlebt hatte, versprach, eine Reise für die Seele zu werden. Ich ahnte, dass die kommenden Tage voller Entdeckungen, Inspiration und innerer Transformation sein würden. Und mit dem Gefühl von tiefer Vorfreude freute ich mich darauf, tiefer in die Geheimnisse dieses faszinierenden Ortes einzutauchen und die Verbindung zwischen Yoga, Kultur und Spiritualität weiter zu erforschen.

Der Duft von Safran und die Suche nach dem perfekten Cay

Am nächsten Morgen stand ich früh auf, motiviert, noch mehr von Edirne zu entdecken. Ich hatte mich vorgenommen, den Markt zu besuchen – den sogenannten Arasta – der direkt an die Selimiye-Moschee angrenzt. Aber bevor ich losging, brauchte ich erstmal einen richtigen türkischen Frühstückstee. Im Hotel gab es zwar Cay, aber der war irgendwie… fad. Ich wollte den echten Geschmack, den kräftigen, aromatischen Tee, der so typisch für die türkische Kultur ist. Also machte ich mich auf die Suche nach einem kleinen, lokalen Teestall. Und ich fand ihn auch – versteckt in einer Seitengasse, abseits der Touristenströme. Ein winziges Lokal mit nur zwei Tischen und einem alten Mann, der hinter der Theke stand und Tee zubereitete. Er sprach kein Wort Englisch, aber ein Lächeln und ein deutliches "Cay, lütfen" (Tee, bitte) reichten aus.

Der Tee war fantastisch. Kräftig, aromatisch und unglaublich lecker. Dazu gab es ein kleines Stück Lokum – türkische Süße – und ein freundliches Lächeln des Teemanns. Es war ein einfacher Moment, aber er fühlte sich besonders an. Es war die Art von Authentizität, die ich auf meinen Reisen suchte.


Der Arasta-Markt war ein Fest für die Sinne. Überall gab es bunte Stoffe, Gewürze, Oliven, Käse und frisches Obst. Die Gerüche waren überwältigend, eine Mischung aus süßen Düften, würzigen Aromen und frischen Kräutern. Ich verbrachte Stunden damit, durch die Gassen zu schlendern, die Handwerker bei der Arbeit zu beobachten und mit den Händlern zu plaudern.

Ein Missverständnis und ein Lächeln

Bei einem Händler, der Safran verkaufte, kam es zu einem kleinen Missverständnis. Ich wollte eine kleine Menge Safran kaufen, um ihn in meiner Küche zu verwenden. Aber ich hatte Schwierigkeiten, die Mengenangabe zu erklären. Ich versuchte es mit Händen und Füßen, aber der Händler verstand mich trotzdem nicht.

Dann kam eine junge Frau vorbei, die fließend Englisch sprach. Sie übersetzte mein Anliegen und der Händler lachte. Es stellte sich heraus, dass ich versehentlich nach einem ganzen Kilo Safran gefragt hatte! Wir alle lachten zusammen, und der Händler schenkte mir eine kleine Probe Safran als Geschenk. Es war eine kleine Geste, aber sie zeigte die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der türkischen Menschen.


Später am Tag besuchte ich das Rustem Pasa Çarşı, einen historischen Karawanenhandelshof. Es ist ein verstecktes Juwel, abseits der ausgetretenen Pfade. Hier gab es kleine Läden, die handgemachte Keramik, Teppiche, Schmuck und andere Kunsthandwerksprodukte verkauften. Ich verbrachte Stunden damit, die verschiedenen Läden zu erkunden und mit den Handwerkern zu plaudern.

Die Stille im Inneren

Besonders beeindruckt war ich von einem kleinen Keramikladen, der von einem alten Mann geführt wurde. Er stellte wunderschöne Keramikschalen, -teller und -vasen her, die alle von hand bemalt waren. Ich kaufte eine kleine Schale als Andenken an meine Reise.

Ich setzte mich in einen kleinen Gartenhof im Zentrum des Karawanenhandels und genoss die Stille. Es war ein Ort der Ruhe und Besinnung, weit weg vom Trubel der Stadt. Ich schloss die Augen und atmete tief ein. Die Luft war erfüllt vom Duft von Jasmin und Rosen. Ich fühlte mich friedlich und entspannt. Ich ahnte, dass ich diesen Ort noch lange in guter Erinnerung behalten würde.


Diese ersten Tage in Edirne hatten mich tief berührt. Die Stadt hatte mich mit ihrer Schönheit, ihrer Geschichte und ihrer Gastfreundschaft verzaubert. Und ich wusste, dass ich noch viele weitere Entdeckungen machen würde, bevor meine Reise zu Ende ging, und dass diese Reise nicht nur meine Seele bereichern, sondern auch meine Wahrnehmung von Yoga und Wellness erweitern würde.

Die letzten Tage in Edirne vergingen wie im Flug. Ich hatte mich bewusst entschieden, nicht nur die historischen Sehenswürdigkeiten zu erkunden, sondern auch das alltägliche Leben aufzusaugen. Ich besuchte den lokalen Markt jeden Morgen, trank Tee mit den Händlern und versuchte, ein paar türkische Wörter zu lernen. Es war eine wundervolle Erfahrung, die mich tief berührt hat.

Mehr als nur Geschichte

Ich entdeckte, dass Edirne nicht nur eine Stadt mit einer reichen Geschichte ist, sondern auch ein Ort, an dem Tradition und Moderne harmonisch nebeneinander existieren. Ich besuchte eine traditionelle türkische Bad, ein Hamam, und ließ mich von den warmen Temperaturen und den beruhigenden Massagen verwöhnen. Es war eine wunderbare Erfahrung, die mich tief entspannte und mir neue Energie gab.

Yoga am Fluss

Natürlich kam auch das Yoga nicht zu kurz. Ich suchte mir einen ruhigen Platz am Flussufer und praktizierte meine Asanas im Freien. Die frische Luft und die beruhigende Umgebung verstärkten die Wirkung des Yoga noch zusätzlich. Es war ein Moment der tiefen Verbindung mit mir selbst und der Natur.

Ein besonderes Ritual

Ich entwickelte ein kleines Ritual, jeden Abend vor Sonnenuntergang auf eine der Brücken über den Fluss zu gehen und die vorbeiziehenden Boote zu beobachten. Es war ein Moment der Stille und Besinnung, der mir half, den Tag Revue passieren zu lassen und mich auf die kommenden Tage vorzubereiten.

Abschied und Erkenntnisse

Als es Zeit war, Edirne zu verlassen, fühlte ich mich traurig, aber auch dankbar. Ich hatte eine wundervolle Zeit in dieser faszinierenden Stadt verbracht und viele neue Erfahrungen gesammelt. Ich hatte gelernt, dass Reisen nicht nur dazu dienen, neue Orte zu entdecken, sondern auch dazu, sich selbst besser kennenzulernen.

Ich hatte erkannt, dass Yoga und Reisen wunderbare Möglichkeiten sind, um neue Energie zu tanken, sich zu entspannen und die Verbindung zu sich selbst und der Natur zu stärken. Ich hatte gelernt, dass Authentizität und Herzlichkeit die wichtigsten Zutaten für ein glückliches Leben sind.

Meine Tipps für Edirne

  • Verliere dich in den Gassen: Edirne ist am schönsten, wenn du dich einfach treiben lässt und die kleinen Gassen und versteckten Ecken erkundest.
  • Probiere die lokale Küche: Die türkische Küche ist vielfältig und lecker. Probiere unbedingt die lokalen Spezialitäten wie Kuzu-Kebap und Baklava.
  • Besuche ein Hamam: Ein türkisches Bad ist eine wunderbare Möglichkeit, um sich zu entspannen und neue Energie zu tanken.

Ich bin dankbar für diese Reise und für all die Menschen, die ich auf meinem Weg getroffen habe. Ich bin dankbar für die Erfahrung, die mich gelehrt hat, dass das Glück oft in den kleinen Dingen des Lebens zu finden ist. Und ich bin dankbar für die Erkenntnis, dass Reisen nicht nur ein Abenteuer, sondern auch eine Reise zu sich selbst ist.

    • Selimiye-Moschee
    • Arasta-Markt
    • Rustem Pasa Çarşı
    • Altstadt von Edirne
👤 Yoga-Lehrerin (32) die Yoga-Retreats und Wellness-Erlebnisse kombiniert ✍️ beschreibend und detailliert