Hanoi: Zwischen Chaos und Charme
Erste Orientierung in Hanoi
Ich hatte mir extra ein Hotel im Altstadtviertel ausgesucht, weil ich das echte Hanoi spüren wollte. Nicht die polierten Touristenzentren, sondern das pulsierende Leben, das sich in den engen Gassen abspielt. Die Fahrt dorthin war schon ein Erlebnis für sich. Unser Taxi kämpfte sich durch ein Labyrinth aus Straßen, an denen Händler ihre Waren feilboten, Frauen mit traditionischen Non La (Konischen Hüten) ihre Einkäufe transportierten und Kinder lachend Fangen spielten. Alles wirkte chaotisch, aber gleichzeitig lebendig und authentisch.Das Hotel, ein kleines, familiengeführtes Haus, war eine Oase der Ruhe inmitten des Trubels. Die Besitzerin, eine ältere Dame mit einem freundlichen Lächeln, begrüßte mich mit einem Glas grüner Tee und erklärte mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Sie erzählte, dass Hanoi eine lange und bewegte Geschichte hat, die von chinesischer Herrschaft, französischer Kolonialisierung und dem Vietnamkrieg geprägt ist.
Warum Hanoi?
Ich reise schon seit Jahren durch Asien, immer auf der Suche nach Orten, die noch nicht von Touristen überlaufen sind. Ich mag es, in das Leben der Menschen einzutauchen, ihre Kultur kennenzulernen und die Schönheit der unberührten Natur zu entdecken. Vietnam hatte mich schon lange fasziniert, und Hanoi schien mir der perfekte Ausgangspunkt, um das Land zu erkunden. Ich hatte in einem Reiseblog von den versteckten Tempeln, den malerischen Seen und den authentischen Märkten gelesen, und ich war neugierig, all das selbst zu erleben.Außerdem fühlte ich mich von der vietnamesischen Küche angezogen. Ich hatte schon einige Gerichte in Deutschland probiert, aber ich wollte unbedingt die Originalrezepte kosten und die Vielfalt der Aromen entdecken.
Der See der Zurückgegebenen Schwerter
Am ersten Nachmittag erkundete ich den Hoan Kiem See, das Herz von Hanoi. Der See ist von grünen Bäumen und malerischen Tempeln umgeben. Auf einer kleinen Insel im See befindet sich der Ngoc Son Tempel, der über eine rote Brücke zugänglich ist. Ich beobachtete, wie Einheimische ihre Runden um den See drehten, Kinder Drachen steigen ließen und ältere Männer Schach spielten. Es war ein friedlicher Ort, an dem ich dem Trubel der Stadt entfliehen konnte.Die Legende besagt, dass der See von einem goldenen Schildkrötengott bewohnt wird, der Kaiser Le Loi im 15. Jahrhundert ein magisches Schwert verlieh, um die chinesischen Invasoren zu besiegen. Nachdem der Kaiser den Krieg gewonnen hatte, gab er das Schwert zurück an den Schildkrötengott, der es in den Tiefen des Sees versenkte. Daher der Name: See der Zurückgegebenen Schwerter.
Erste kulinarische Erkundungen
Am Abend wagte ich mich in die Gassen der Altstadt, um nach einem Restaurant zu suchen. Überall duftete es nach köstlichen Gerichten. Ich entschied mich für ein kleines Lokal, in dem gerade eine Familie zu Abend aß. Ich bestellte Pho, die berühmte vietnamesische Nudelsuppe. Sie wurde mit frischen Kräutern, Limettensaft und scharfer Chili serviert. Es war ein Gaumenschmaus.Ich unterhielt mich mit der Besitzerin des Restaurants, einer freundlichen Frau, die mir einige Tipps für meine weitere Reise gab. Sie erzählte mir, dass ich unbedingt das Wasserpuppen Theater besuchen und einen Ausflug zum Halong Bay unternehmen sollte. Die ersten Stunden in Hanoi hatten mich bereits in ihren Bann gezogen. Die Stadt war ein faszinierendes Zusammenspiel aus Tradition und Moderne, Chaos und Harmonie. Ich war gespannt darauf, die nächsten Tage zu verbringen und die Geheimnisse dieses faszinierenden Landes zu entdecken. Ich wusste, dass dies nur der Anfang meiner Reise war und dass noch viele Abenteuer vor mir lagen.
Das Chaos des Dong Xuan Marktes
Am nächsten Morgen beschloss ich, mich ins Getümmel des Dong Xuan Marktes zu stürzen. Dieser riesige Markt ist der größte überdachte Markt Hanois und ein wahrer Tempel des Konsums. Schon beim Näherkommen wurde ich von einer Welle aus Geräuschen, Gerüchen und Menschenmassen erfasst. Händler riefen ihre Waren an, Motorroller quälten sich durch die engen Gassen und der Duft von Gewürzen, frischem Gemüse und getrocknetem Fisch lag in der Luft.Ich war sofort überwältigt, aber auch fasziniert. Ich schlenderte zwischen den Ständen hindurch und betrachtete die Vielfalt der angebotenen Waren: Kleidung, Schuhe, Spielzeug, Elektronik, Lebensmittel, Gewürze, Kräuter, alles war dort zu finden. Ich probierte exotische Früchte, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, und handelte mit einem freundlichen Händler um den Preis eines traditionellen Non La. Ich verlor mich schnell in diesem Labyrinth aus Gängen und Gassen und hatte irgendwann keine Ahnung mehr, wo ich war.
Einmal stieß ich versehentlich gegen einen Stapel Reisnäpfe, die daraufhin zu Boden krachten. Ich entschuldigte mich sofort und half dem Händler, die Scherben aufzukehren. Er lachte nur und sagte, das sei hier am Markt nichts Ungewöhnliches.
Das Wasserpuppen Theater – Eine Kunstform für sich
Am Nachmittag besuchte ich das Thang Long Wasserpuppen Theater. Ich hatte im Vorfeld viel über diese traditionelle vietnamesische Kunstform gelesen und war gespannt darauf, sie live zu erleben. Die Vorstellung spielte eine Reihe von Legenden und Geschichten aus dem vietnamesischen Leben. Die Puppen tanzten auf der Wasseroberfläche, begleitet von traditioneller vietnamesischer Musik. Es war eine faszinierende und einzigartige Vorstellung, die mich tief beeindruckt hat.Die Puppenspieler sitzen hinter einer Leinwand und steuern die Puppen mit langen Stäben. Es erfordert viel Geschick und Übung, um die Puppen so lebensecht zu bewegen. Ich war überrascht, wie ausdrucksstark die Puppen sein konnten und wie gut sie die Emotionen der Charaktere vermitteln konnten.
Entspannung im Viertel Ho Tay – Am Westsee
Um dem Trubel der Stadt zu entfliehen, verbrachte ich einen Nachmittag im Viertel Ho Tay, das um den Westsee herum liegt. Hier herrscht eine ganz andere Atmosphäre als im Stadtzentrum. Es gibt viele Cafés, Restaurants und Kunstgalerien. Ich setzte mich in ein Café mit Blick auf den See und genoss eine Tasse vietnamesischen Eierkaffee – eine süße und cremige Köstlichkeit.Ich beobachtete, wie Einheimische ihre Runden um den See drehten, Kinder Drachen steigen ließen und Paare romantische Spaziergänge machten. Es war ein friedlicher Ort, an dem ich die Seele baumeln lassen konnte. Ich entdeckte auch eine kleine Pagode, die versteckt zwischen den Bäumen lag. Dort zündete ich eine Räucherkerze an und genoss die Stille und die spirituelle Atmosphäre.
All diese Eindrücke ließen Hanoi in meinen Augen zu einem facettenreichen und lebendigen Ort werden, der mich trotz des anfänglichen Chaos in seinen Bann gezogen hatte und mir das Gefühl gab, die wahre Essenz Vietnams zu erspüren.
Die Tage in Hanoi vergingen wie im Flug. Ich hatte mich schnell an das Chaos gewöhnt, sogar daran Freude gefunden. Es war, als würde die Stadt einen dazu auffordern, sich fallen zu lassen und den Moment zu genießen. Die ständige Hektik, das Hupen der Mopeds, das geschäftige Treiben auf den Straßen – all das war Teil des einzigartigen Charmes dieser Stadt.
Rückblick auf die Reise
Ich hatte mir vorgenommen, die authentische Seite Hanois zu entdecken, und ich glaube, das ist mir gelungen. Ich hatte mich nicht in polierten Touristenzentren aufgehalten, sondern mich in das Leben der Menschen eingemischt, ihre Kultur kennengelernt und ihre Geschichte gehört. Ich hatte die Aromen der vietnamesischen Küche genossen, die Vielfalt der Märkte erkundet und die Schönheit der Tempel bewundert.
Besonders beeindruckt hatte mich die Gastfreundschaft der Vietnamesen. Überall wurde ich mit einem Lächeln empfangen und mit offenen Armen willkommen geheißen. Die Menschen waren hilfsbereit, freundlich und immer bereit, einem zu helfen, egal wie groß oder klein das Problem war.
Ein paar Tipps für deine Reise
Transport
Die beste Art, sich in Hanoi fortzubewegen, ist mit dem Moped oder dem Taxi. Mopeds sind günstig und flexibel, aber man sollte sich bewusst sein, dass der Verkehr in Hanoi sehr chaotisch ist. Taxis sind eine bequeme Option, aber man sollte darauf achten, dass der Fahrer den Taxameter einschaltet. Ich persönlich habe mich oft zu Fuß fortbewegt, um die Stadt besser kennenlernen zu können.
Essen
Die vietnamesische Küche ist ein wahrer Gaumenschmaus. Probiere unbedingt Pho, Bun Cha, Banh Mi und Cao Lau. Gehe in kleine, lokale Restaurants, um die authentischsten Gerichte zu genießen. Achte darauf, dass das Essen frisch zubereitet wird. Die kleinen Garküchen am Straßenrand sind oft die besten Adressen.
Unterkünfte
Es gibt eine große Auswahl an Unterkünften in Hanoi, von einfachen Hostels bis hin zu luxuriösen Hotels. Ich empfehle, ein Hotel im Altstadtviertel zu wählen, um nah am Geschehen zu sein. Achte darauf, dass das Hotel über eine Klimaanlage verfügt, da es in Hanoi sehr heiß und feucht werden kann.
Abschied von Hanoi
Mit einem weinenden Auge habe ich mich von Hanoi verabschiedet. Diese Stadt hat mich verzaubert und inspiriert. Ich habe so viel gelernt, so viele neue Menschen kennengelernt und so viele unvergessliche Momente erlebt. Ich werde Hanoi nie vergessen und hoffe, bald wieder zurückzukehren.
Ich habe gelernt, das Chaos zu akzeptieren, die Einfachheit zu schätzen und die Schönheit im Alltäglichen zu entdecken. Hanoi hat mir gezeigt, dass das Glück oft in den kleinen Dingen zu finden ist.
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- Hoan Kiem See (mit Ngoc Son Tempel)
- Dong Xuan Markt
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- Thang Long Wasserpuppen Theater
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- Altstadtviertel (Hanoi)