Menorca: Mehr als nur Sonne und Strand
Ein spontaner Ausflug
Ich bin ja eigentlich nicht der Typ für Pauschalreisen. Eher der, der den Rucksack packt und irgendwohin fährt, wohin’s ihn treibt. Aber dieses Jahr war es anders. Die Arbeit war stressig, die Wohnung renovierungsbedürftig, und ich brauchte einfach mal eine Auszeit, die nicht mit Planungsstress verbunden war. Also, kurzerhand ein Angebot im Internet geschnappt – Flug und kleines Hotel in Ciutadella gebucht. Spontan, ja, aber manchmal ist das das Beste.Ciutadella im ersten Licht
Ciutadella, die ehemalige Hauptstadt, empfing mich mit engen Gassen, alten Steinhäusern und einem kleinen Hafen, in dem die Boote sanft im Wasser schaukelten. Die Stadt war noch ruhig, die meisten Geschäfte hatten noch nicht geöffnet, aber hier und da saß schon ein älterer Herr vor einem Café und las die Zeitung. Ich schlenderte einfach ein bisschen herum, ließ die Atmosphäre auf mich wirken und versuchte, die ersten Eindrücke festzuhalten. Es war anders als die Touristenorte, die ich sonst so kannte. Eher authentisch, bodenständig.Ich hatte im Vorfeld ein bisschen recherchiert, natürlich. Menorca ist bekannt für seine Calas, die kleinen Buchten, die oft nur über schmale Pfade erreichbar sind. Und genau das wollte ich sehen. Nicht die Strände, die mit Liegen und Sonnenschirmen vollgestellt sind, sondern die versteckten Paradiese, in denen man fast alleine ist. Ich hatte mir ein paar ausgesucht, die etwas abseits lagen, und plante, sie in den nächsten Tagen zu erkunden.
Warum Menorca?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich Menorca lange unterschätzt hatte. Wenn man an die Balearen denkt, kommen einem meistens Mallorca oder Ibiza in den Sinn. Aber Menorca ist anders. Es ist kleiner, ruhiger, weniger touristisch. Die Landschaft ist viel abwechslungsreicher, mit zerklüfteten Küsten, grünen Hügeln und weitläufigen Feuchtgebieten.Ich bin ja ein ziemlicher Naturfreak, verbringe meine Freizeit am liebsten draußen, wandere gerne und mache Fotos. Und Menorca schien mir der perfekte Ort dafür zu sein. Keine riesigen Hotelburgen, keine überfüllten Strände, sondern eine wilde, unberührte Natur, die dazu einlädt, entdeckt zu werden.
Mein Hotel war ein kleines, familiengeführtes Haus etwas außerhalb des Zentrums. Einfach, aber sauber und gemütlich. Der Vermieter, ein freundlicher älterer Herr namens Miguel, begrüßte mich mit einem Glas Wasser und einem breiten Lächeln. Er gab mir gleich ein paar Tipps für die Insel, empfahl mir ein paar gute Restaurants und erklärte mir, wie ich am besten zu den verschiedenen Stränden gelangte. Es war schön, so herzlich empfangen zu werden.
Erste Schritte ins Paradies
Nachdem ich mich kurz im Hotel eingerichtet hatte, machte ich mich auf den Weg zum Hafen. Ich wollte mir die Stadt noch etwas genauer ansehen und vielleicht ein bisschen in den kleinen Geschäften stöbern. Aber dann fiel mir ein, dass ich noch genug Zeit hatte, um einen ersten Ausflug zu einer der Calas zu unternehmen. Also stieg ich in den Mietwagen und fuhr los, in Richtung Nordwestküste, zu einer kleinen Bucht namens Cala Pregonda. Die Anfahrt war schon ein Abenteuer, über eine holprige Schotterstraße, aber das Versprechen eines unberührten Paradieses ließ mich weitermachen. Und als ich dann endlich dort ankam, war ich überwältigt. Rotbrauner Sand, türkisfarbenes Wasser und eine bizarre Felslandschaft – es war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich wusste sofort, dass dies der Beginn eines unvergesslichen Urlaubs werden würde. Die kommenden Tage würden sich darum drehen, diese versteckten Schätze zu erkunden und die Schönheit dieser Insel in vollen Zügen zu genießen.Cala Pregonda und die rote Erde
Die Cala Pregonda war wirklich atemberaubend. Nicht so ein typischer, weicher, weißer Sandstrand, sondern grober, rötlich-brauner Kies, fast wie Marslandschaft. Das Wasser war unglaublich klar, fast schon durchsichtig. Ich hab mich direkt ins kalte Nass gestürzt und bin eine Weile geschwommen, einfach um das Gefühl zu genießen. Es waren nur wenige Leute da, hauptsächlich Einheimische und ein paar andere Wanderer, die den Weg hierher gefunden hatten. Ich hab mich an einen Felsen gesetzt, die Sonne auf der Haut gespürt und einfach die Aussicht genossen. Das war genau das, was ich brauchte – Ruhe, Natur und Weite.Allerdings hatte ich bei der Anfahrt unterschätzt, wie unwegsam der Weg wirklich war. Mein kleiner Mietwagen hatte ganz schön zu kämpfen mit dem holprigen Schotterweg, und ich hatte ein paar Mal Angst, dass er den Geist aufgibt. Zum Glück kam ich heil an, aber ich musste feststellen, dass mein Auto jetzt mit einer ordentlichen Staubschicht bedeckt war. Egal, dachte ich mir, das gehört dazu. Abenteuer sehen eben nicht immer perfekt aus.
Ciutadella bei Nacht
Am Abend bin ich zurück nach Ciutadella gefahren und hab mich in die Altstadt vertieft. Bei Nacht ist die Stadt nochmal ganz anders. Die alten Steinhäuser sind beleuchtet, die Gassen wirken geheimnisvoll, und es herrscht eine lebendige Atmosphäre. Ich hab mich in einem kleinen Tapas-Restaurant niedergelassen und bin mit lokalen Spezialitäten und einem Glas Wein verwöhnt worden. Der Kellner, ein freundlicher Mann mit grauem Bart, hat mir erzählt, dass Menorca eine lange Tradition in der Landwirtschaft und Fischerei hat. Er hat mir empfohlen, den lokalen Käse und den frischen Fisch zu probieren, und er hatte Recht – es war unglaublich lecker.Ich bin durch die Gassen geschlendert, hab die kleinen Geschäfte erkundet und mir die alten Kirchen angesehen. Es gab einen kleinen Platz, auf dem ein Straßenmusiker Gitarre spielte. Ich hab mich für eine Weile hingesetzt und der Musik gelauscht. Es war ein wunderschöner Abend, und ich hab mich einfach nur wohlgefühlt.
Ein Ausflug nach Fornells
Am nächsten Tag bin ich nach Fornells gefahren, einem kleinen Fischerdorf an der Nordküste. Das Dorf ist bekannt für seine Caldereta de Llagosta, eine lokale Hummer-Suppe. Ich hab mich in einem der Restaurants am Hafen niedergelassen und die Suppe probiert. Sie war wirklich außergewöhnlich – reichhaltig, aromatisch und voller frischer Meeresfrüchte.Nach dem Essen hab ich eine Bootsfahrt zur Insel Illa de Fornells unternommen. Die Insel ist ein Naturparadies mit einer reichen Vogelwelt und einer unberührten Landschaft. Ich hab die Insel erkundet, bin gewandert und hab die Aussicht genossen. Es war ein wunderschöner Tag, und ich hab mich wieder einmal daran erinnert, wie privilegiert ich bin, solche Orte erkunden zu dürfen.
Allerdings gab es auch eine kleine Pannen: Ich hatte meine Sonnenbrille vergessen und wurde von der Sonne ganz schön geblendet. Zum Glück hatte der Bootsführer eine Ersatzbrille für mich, aber ich hatte trotzdem ein paar Stunden mit Kopfschmerzen zu kämpfen. Na ja, was soll’s – manchmal gehört auch ein bisschen Leid dazu, um die schönen Momente noch mehr zu schätzen.
Die Tage auf Menorca vergingen wie im Flug, und ich spürte, wie ich immer mehr zur Ruhe kam und die Seele baumeln ließ. Die Insel hatte mich verzaubert mit ihrer Schönheit, ihrer Authentizität und ihrer Ruhe. Ich wusste, dass ich diesen Ort noch lange in Erinnerung behalten würde und dass ich irgendwann wiederkommen würde, um die verborgenen Schätze dieser kleinen Insel erneut zu entdecken.
Die Mischung aus rauer Natur, entspanntem Lebensstil und authentischen Begegnungen hatte etwas in mir ausgelöst. Es war mehr als nur ein Urlaub, es war eine Erfahrung, die mich nachhaltig geprägt hat und mich daran erinnerte, was wirklich wichtig im Leben ist.
Und so stand ich am Ende meiner Reise vor dem Gefühl, dass ich nicht nur eine Insel erkundet, sondern auch ein Stück von mir selbst wiedergefunden hatte – eine Erkenntnis, die mich dazu brachte, mit einem Lächeln im Herzen und einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit die Heimreise anzutreten.
Der letzte Morgen auf Menorca fühlte sich komisch an. Einerseits war ich froh, bald wieder zu Hause zu sein und in meinem eigenen Bett zu schlafen. Andererseits hatte ich das Gefühl, ein Stück meiner Seele auf dieser kleinen Insel zurückzulassen. Die Ruhe, die Landschaft, die freundlichen Menschen – es war eine wirklich besondere Erfahrung.
Abschied vom Paradies
Ich stand noch einmal am Balkon meines Hotels und blickte über die Dächer von Ciutadella. Die Sonne ging gerade auf und tauchte die Stadt in ein goldenes Licht. Es war ein friedlicher Anblick, der mir noch lange in Erinnerung bleiben würde. Ich atmete tief ein und versuchte, den Geruch von Salz und Pinien in meiner Nase festzuhalten. Dieser Duft hatte mich die ganze Zeit begleitet und war zu einem untrennbaren Teil meiner Reise geworden.
Was Menorca so besonders macht
Was mir an Menorca am besten gefallen hat, war die Authentizität. Hier gibt es keine riesigen Touristenströme, keine überfüllten Strände, keine lauten Discos. Stattdessen findet man kleine, versteckte Buchten, raue Küstenlandschaften und eine unberührte Natur. Die Insel hat sich ihren ursprünglichen Charme bewahrt und bietet eine willkommene Abwechslung zum Massentourismus.
Ein paar Tipps für deine Reise
Wenn du auch mal nach Menorca reisen möchtest, hier ein paar Tipps von mir:
- Mietwagen: Unbedingt einen Mietwagen nehmen! So kommst du am besten zu den abgelegenen Stränden und kannst die Insel auf eigene Faust erkunden.
- Calas: Nimm dir Zeit, die verschiedenen Calas zu erkunden. Jede Bucht hat ihren eigenen Charme und bietet ein einzigartiges Badeerlebnis. Cala Pregonda mit ihrem roten Sand ist definitiv einen Besuch wert, aber auch die kleineren, versteckten Buchten sind wunderschön.
- Wandern: Menorca ist ein Paradies für Wanderer. Es gibt zahlreiche Wanderwege, die dich durch die abwechslungsreiche Landschaft führen.
- Lokale Küche: Probiere unbedingt die lokale Küche. Die Hummer-Suppe Caldereta de Llagosta ist ein Muss, aber auch die anderen Fischgerichte sind sehr lecker.
Ein unvergesslicher Urlaub
Mein Urlaub auf Menorca war mehr als nur eine Auszeit vom Alltag. Es war eine Reise zu mir selbst, eine Erfahrung, die mich nachhaltig geprägt hat. Ich habe gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen, die Schönheit der Natur zu genießen und einfach mal abzuschalten. Ich werde Menorca nie vergessen und hoffe, bald wieder zurückkehren zu können.
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- Cala Pregonda (rotbrauner Sandstrand)
- Ciutadella (historische Altstadt)
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- Cala Pregonda
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- Ciutadella (historische Altstadt)