Europa - Spanien - Fuerteventura

Reisebericht Europa - Spanien - Fuerteventura

Der Geruch von Salz und heißem Asphalt drang sofort in meine Nase, als ich aus dem Flughafen Corralejo trat. Es war dieser ganz spezielle Duft, der nach Weite und Abenteuer roch. Und nach Urlaub, ganz klar. Ich atmete tief ein, schloss kurz die Augen und ließ die Wärme Kanarischer Sonne auf meiner Haut tanzen. Es war Mitte April, und nach einem grauen Winter in Deutschland fühlte sich das an wie Balsam für die Seele.

Ein Traum wird wahr

Ich bin Martin, 40 Jahre alt und, naja, vielleicht ein bisschen verrückt nach Tieren. Safaris in Afrika, Whale Watching in Alaska, Vogelbeobachtung in Costa Rica – ich habe schon einiges erlebt. Aber Fuerteventura stand lange auf meiner Liste, nicht unbedingt wegen der großen Wildtiere, sondern wegen der ganz besonderen Tierwelt, die es hier gibt. Und natürlich wegen der Hoffnung, etwas von dieser ungezähmten, vulkanischen Landschaft zu spüren. Die Idee zu dieser Reise entstand eigentlich ziemlich spontan. Ich hatte gerade einen stressigen Auftrag abgeschlossen und brauchte dringend eine Auszeit. Meine Ex-Frau, Sarah, hatte mir von ihren Surfabenteuern auf Fuerteventura erzählt. Sie ist zwar eher der Wasser-Typ, ich der Land-Typ, aber ihre Begeisterung hatte mich angesteckt. Außerdem wusste ich, dass hier eine große Population von Zugvögeln rastet, und das allein war schon Grund genug für mich, meine Koffer zu packen.

Die erste Begegnung

Der Bus, der mich zu meiner kleinen Finca in den Hügeln brachte, war voll mit Sonnengebrannten Surfern und Familien mit kleinen Kindern. Ich saß am Fenster und beobachtete die Landschaft. Überall Lavagestein, karge Vegetation und kleine, windgepeitschte Bäume. Es sah unwirtlich aus, aber gleichzeitig auch unglaublich schön und authentisch. Als wir an einer kleinen Bucht vorbeifuhren, sah ich eine Gruppe von Kanarienvögeln in einem Tamariskenbusch hüpfen. Kleine, gelbe Blitze zwischen dem grünen Laub. Ich lächelte. Das war ein gutes Zeichen.

Ein Zuhause auf Zeit

Meine Finca war einfach, aber charmant. Ein kleines, weiß getünchtes Haus mit einer Terrasse, von der aus man den Blick auf das Meer genießen konnte. Die Besitzerin, eine ältere Dame namens Maria, empfing mich mit einem breiten Lächeln und einer Schüssel mit frischen Mangos. Maria erzählte mir, dass sie schon ihr ganzes Leben hier wohnt und dass sie die Tiere der Insel wie ihre eigenen Kinder liebt. Sie zeigte mir Fotos von wilden Ziegen, die in den Bergen leben, von kleinen Eidechsen, die im Garten sonnen, und von den vielen verschiedenen Vogelarten, die hier brüten. Ich fühlte mich sofort willkommen und geborgen.

Erste Erkundungen

Am Nachmittag wagte ich mich auf meinen ersten Spaziergang. Ich folgte einem kleinen Pfad, der am Strand entlangführte. Der Wind peitschte mir das Salz ins Gesicht, und die Wellen schlugen mit voller Wucht an die Küste. Es war ein wildes, ungezähmtes Bild, das mich sofort in seinen Bann zog. Ich sah eine Gruppe von Steinschwalben, die über dem Wasser tanzten, und einen einzelnen Fregattvogel, der majestätisch am Himmel kreiste. Dann entdeckte ich am Strand eine kleine Gruppe von Krebsen, die eifrig in den Sand gruben. Ich setzte mich vorsichtig neben sie und beobachtete ihr Treiben. Es war ein Moment der Stille und des Friedens, der mir tief ins Herz ging. Ich spürte, dass Fuerteventura mehr zu bieten hatte, als nur Sonne, Strand und Meer. Es war ein Ort, an dem man die Natur in ihrer ganzen Pracht erleben konnte, ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen und neue Energie tanken konnte. Und ich war fest entschlossen, diese Insel und ihre Bewohner so gut wie möglich kennenzulernen. Ich ahnte, dass die kommenden Tage voller spannender Entdeckungen und unvergesslicher Momente sein würden, und ich war gespannt darauf, was die Insel noch alles für mich bereithielt.

Die Dünen von Corralejo – Eine andere Welt

Am nächsten Morgen stand ein Besuch der Dünen von Corralejo auf dem Plan. Ich hatte Bilder gesehen, aber das, was sich mir bot, übertraf alle Erwartungen. Kilometerlange Sandflächen, die sich bis zum türkisfarbenen Meer erstreckten. Es fühlte sich an, als wäre ich in der Sahara gelandet, aber mit Meeresbrise. Ich wanderte stundenlang durch diese surreale Landschaft, beobachtete, wie der Wind die Sandformationen veränderte und wie die Sonne das Licht auf dem Sand brechen ließ. Es war unglaublich heiß, und ich hatte meine Wasserflasche viel zu schnell geleert. Eine kleine Panne, die ich aber schnell korrigierte, indem ich mir in einem der Strandcafés einen frischen Saft gönnte. Dort traf ich einen älteren Mann, der seit Jahrzehnten hier lebte und mir Geschichten über die Insel erzählte. Er erklärte mir, dass die Dünen durch den Passatwind und den feinen Sand aus Korallenriffen entstanden sind. Es war faszinierend, mehr über die Entstehung dieser einzigartigen Landschaft zu erfahren.

El Cotillo – Ein Fischerdorf mit Herz

Ein paar Tage später mietete ich einen Jeep und fuhr nach El Cotillo, einem kleinen Fischerdorf an der Westküste. Die Fahrt dorthin führte mich durch eine karge, vulkanische Landschaft, die von vereinzelten Palmen und Kakteen geprägt war. El Cotillo war ein Paradies für Naturliebhaber. Kleine, versteckte Buchten mit kristallklarem Wasser, hohe Klippen und eine entspannte Atmosphäre. Ich verbrachte den Nachmittag damit, am Strand entlang zu spazieren, die Fischerboote zu beobachten und den Duft von frischem Fisch einzuatmen. In einem der kleinen Restaurants am Hafen aß ich eine köstliche Paella mit Meeresfrüchten. Der Geschmack war unglaublich, und ich genoss jeden Bissen. Ich kam mit einem alten Fischer ins Gespräch, der mir von seinem Leben auf See erzählte. Er erklärte mir, dass die Fischbestände in den letzten Jahren geschrumpft sind und dass es immer schwieriger wird, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es war traurig zu hören, aber ich spürte seine Liebe zum Meer und seinen Respekt für die Natur.

Betancuria – Ein Blick in die Vergangenheit

Ein weiteres Highlight meiner Reise war der Besuch von Betancuria, der ehemaligen Hauptstadt der Insel. Die Stadt liegt in einem grünen Tal, umgeben von hohen Bergen. Die engen Gassen, die alten Häuser und die kleine Kirche Santa María waren ein Zeugnis der Vergangenheit. Ich besuchte das Archäologiemuseum, in dem ich viel über die Geschichte der Insel und ihre ersten Bewohner erfuhr. Die Guanchen, die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, waren ein stolzes und unabhängiges Volk, das sich lange gegen die spanischen Eroberer zur Wehr setzte. Während ich durch die Stadt schlenderte, entdeckte ich einen kleinen Laden, in dem handgefertigte Souvenirs verkauft wurden. Ich kaufte eine kleine, geschnitzte Holzfigur eines Guanchen, als Erinnerung an meinen Besuch. Der Ladenbesitzer, ein freundlicher Mann mit grauem Bart, erklärte mir, dass er die Figur selbst geschnitzt hat und dass er damit die Kultur und Traditionen seines Volkes bewahren möchte.

Die Tage auf Fuerteventura vergingen wie im Flug, und ich spürte, dass ich mich immer mehr mit der Insel und ihren Bewohnern verbunden fühlte. Ich hatte nicht nur wunderschöne Landschaften entdeckt, sondern auch interessante Menschen kennengelernt und viel über ihre Kultur und Traditionen erfahren.

Die Begegnung mit der Tierwelt, die Entdeckung der Ruhe und Schönheit der Natur und die Begegnung mit den freundlichen Menschen hatten mich tief berührt und ich wusste, dass ich diese Insel so schnell nicht vergessen würde – es war Zeit, die gesammelten Eindrücke zu sortieren und die Reise Revue passieren zu lassen.

Der letzte Tag auf Fuerteventura fühlte sich bittersüß an. Ich saß auf der Terrasse meiner Finca, trank den letzten Schluck Kaffee und blickte auf das Meer. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und tauchte die Landschaft in ein goldenes Licht. Es war still, nur unterbrochen vom Rauschen des Windes und dem Ruf der Möwen.

Ich dachte über die letzten Tage nach. Die Begegnungen mit den wilden Ziegen in den Bergen, das Beobachten der Fregattvögel über den Dünen, die kleinen Krebsen am Strand – all diese kleinen Momente hatten mich tief berührt. Fuerteventura war nicht nur eine wunderschöne Insel, sondern ein Ort, an dem man die Natur in ihrer ganzen Pracht erleben konnte. Ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen und neue Energie tanken konnte.

Ein Fazit für die Seele

Ich bin kein Mensch, der viel Wert auf Luxus legt. Mir geht es um Authentizität, um die Verbindung zur Natur und um die Begegnung mit anderen Kulturen. Fuerteventura hat all das geboten. Die Insel ist nicht perfekt. Sie ist rau, windig und manchmal auch karg. Aber gerade das macht ihren Charme aus. Es ist ein Ort, der einen herausfordert, der einen dazu zwingt, langsamer zu werden und die kleinen Dinge im Leben zu schätzen.

Meine persönlichen Empfehlungen

Wenn ich jemandem eine Reise nach Fuerteventura empfehlen würde, würde ich ihm sagen: Nimm dir Zeit. Lass dich treiben. Erkunde die Insel abseits der Touristenpfade. Sprich mit den Einheimischen. Probiere die lokale Küche. Und vor allem: Genieße die Ruhe und die Schönheit der Natur.

Drei Dinge, die du nicht verpassen solltest

Erstens: Die Dünen von Corralejo. Sie sind ein einzigartiges Naturphänomen und bieten einen atemberaubenden Blick auf das Meer. Nimm dir genügend Wasser mit und trage Sonnencreme auf. Zweitens: Ein Besuch des Fischerdorfes El Cotillo. Hier kannst du frischen Fisch essen und das authentische Leben der Einheimischen kennenlernen. Drittens: Eine Wanderung in den Bergen. Hier kannst du die wilde Schönheit der Insel erleben und die beeindruckende Vulkanlandschaft bewundern.

Ich werde Fuerteventura nicht vergessen. Die Insel hat einen bleibenden Eindruck in meinem Herzen hinterlassen. Ich bin sicher, dass ich eines Tages wiederkommen werde, um die Schatten der Vulkane und den Ruf der Möwen noch einmal zu erleben.

    👤 Geschichtsstudent (22) auf der Suche nach historischen Stätten und kulturellem Erbe ✍️ authentisch und ehrlich