Südamerika - Ecuador - Baños

Reisebericht Südamerika - Ecuador - Baños

Der Geruch von frittiertem irgendwas hing schwer in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Duft von Bananen und einer Prise Abgas. Ich stand also, mit einem Koffer, der eindeutig zu klein für meine Food-Sampling-Ausrüstung war, am Busbahnhof von Baños de Agua Santa. Ecuador. Und es war… anders. Nicht schlecht, einfach… anders. Ich hatte mir vorgestellt, das Paradies der kulinarischen Entdeckungen zu betreten, aber im Moment fühlte es sich eher an wie eine Mischung aus chaotischer Marktpassage und Abenteuerland.

Warum Ecuador? Und Baños überhaupt?

Gute Frage, die ich mir selbst gefühlt tausendmal gestellt habe, während ich die letzten Monate damit verbracht habe, Flugtickets zu vergleichen und meinen Magen auf die bevorstehende Tortur (im positiven Sinne natürlich!) vorzubereiten. Naja, ich bin halt so einer, der nicht einfach nur Urlaub macht, sondern kulinarische Expeditionen unternimmt. Die Karibik ist schon durch, Thailand auch, und Italien… nun, Italien ist immer eine gute Idee, aber ich brauchte etwas Neues. Ecuador stand schon länger auf meiner Liste. Erstens, weil ich gehört hatte, dass die Küche unglaublich vielfältig ist, beeinflusst von den Anden, dem Amazonas und der Küste. Zweitens, weil ich eine Schwäche für ungewöhnliche Früchte und Gemüse habe, und Ecuador ist bekannt für seine unglaubliche Biodiversität. Und drittens, weil ich einfach mal raus aus meinem Alltag wollte. Ich bin 40, Single und arbeite als Softwareentwickler. Klingt langweilig, oder? Ich brauchte dringend etwas Aufregung.

Ankunft in Baños: Ein erster kulinarischer Scan

Baños selbst ist ein kleines Städtchen, eingebettet zwischen Bergen und Wasserfällen. Es ist ein beliebtes Ziel für Abenteuersportler, aber das interessierte mich nur am Rande. Ich war hier, um zu essen. Und die ersten Eindrücke waren… interessant. Der Busbahnhof war ein einziger Trubel. Verkäufer priesen ihre Waren an, Kinder rannten herum und überall gab es Essensstände. Ich entdeckte Ceviche (roher Fisch, mariniert in Zitronensaft), Empanadas (gefüllte Teigtaschen), und etwas, das aussah wie eine Kreuzung zwischen einem Pfannkuchen und einem Omelett. Ich probierte natürlich von allem. Das Ceviche war überraschend mild, nicht so scharf, wie ich es von anderen lateinamerikanischen Ländern gewohnt bin. Die Empanadas waren köstlich, aber nichts, was ich nicht schon mal gegessen hatte. Und das Pfannkuchen-Omelett-Ding? Nun, das war gewöhnungsbedürftig. Aber hey, ich bin ja hier, um Neues auszuprobieren.
Ich checkte in mein kleines Hotel ein, das sich als Glücksfall herausstellte. Es war einfach, aber sauber und hatte einen kleinen Balkon mit Blick auf einen Wasserfall. Perfekt. Nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, machte ich mich auf den Weg, um die Stadt zu erkunden.

Die Suche nach dem perfekten "Almuerzo"

Ich hatte gehört, dass das "Almuerzo" – das Mittagessen – in Ecuador eine heilige Mahlzeit ist. Es besteht in der Regel aus Suppe, Reis, Fleisch oder Fisch und Gemüse. Und es ist unglaublich günstig. Ich beschloss also, auf die Suche nach dem perfekten "Almuerzo" zu gehen. Ich schlenderte durch die Gassen und entdeckte unzählige kleine Restaurants. Überall hingen Schilder mit "Almuerzo Especial" oder "Menú del Día". Ich entschied mich für ein kleines Lokal, das von einer freundlichen alten Dame geführt wurde. Das "Almuerzo" war unglaublich lecker. Eine herzhafte Gemüsesuppe, saftiges Hähnchen, Reis und eine Art gebratene Kochbanane. Alles frisch zubereitet und mit viel Liebe. Ich war im kulinarischen Himmel. Und das Beste daran: Es kostete nur 3 Dollar.
Nach dem Mittagessen brauchte ich erstmal eine Pause. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete das Treiben. Baños ist eine Stadt voller Kontraste. Einerseits ist sie sehr touristisch, andererseits hat sie ihren ursprünglichen Charme bewahrt. Überall gibt es Kunsthandwerksläden, aber auch kleine Werkstätten, in denen Handwerker ihre Waren herstellen. Ich merkte, dass ich müde war. Die Reise hatte mich angestrengt. Aber ich war auch aufgeregt. Ich hatte das Gefühl, dass ich am Anfang einer unglaublichen kulinarischen Reise stand. Ich hatte noch so viel zu entdecken, so viele Gerichte zu probieren, so viele Geschmäcker zu erleben. Und ich konnte es kaum erwarten. Die ersten Stunden in Baños hatten mir gezeigt, dass Ecuador ein Land voller Überraschungen ist. Es ist ein Land, das dich mit seiner Vielfalt, seiner Schönheit und seiner Gastfreundschaft verzaubert. Und es ist ein Land, das deinen Gaumen garantiert verwöhnt. Jetzt, mit einem vollen Bauch und einem neugierigen Herzen, war es Zeit, tiefer in die kulinarischen Geheimnisse dieses faszinierenden Landes einzutauchen.

Der Markt und die versteckten Schätze

Nach dem Almuerzo, das mich noch immer glücklich machte, beschloss ich, den zentralen Markt von Baños unsicher zu machen. Ich hatte gehört, dass dort nicht nur frische Zutaten verkauft werden, sondern auch einige lokale Spezialitäten, die man nirgendwo anders findet. Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Der Markt war ein einziges Chaos. Menschenmassen drängten sich durch die Gänge, Verkäufer riefen ihre Waren an und der Geruch von Früchten, Gewürzen und frischem Fleisch lag in der Luft. Ich fühlte mich wie in einem riesigen Ameisenhaufen, aber auf eine gute Art und Weise. Ich entdeckte Früchte, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Kleine, lila Kugeln, die aussahen wie Mini-Auberginen, und lange, gelbe Früchte, die an Bananen erinnerten, aber viel süßer rochen. Ich probierte natürlich von allem, und der freundliche Verkäufer erklärte mir geduldig, was alles war. “Uvilla”, sagte er, “ist super für Säfte”, und “Chontacuro”, eine Art Palmwurm, “ist ein lokaler Snack – probieren Sie ihn, wenn Sie mutig sind!” Mutig war ich, also knabberte ich an dem getrockneten Wurm. Er schmeckte… nussig. Und ein bisschen nach Erde. Aber hey, das gehört zur kulinarischen Entdeckung dazu!

Die Schokoladen-Manufaktur – ein süßer Zwischenstopp

Nach dem chaotischen Markt brauchte ich etwas Süßes. Und Baños ist bekannt für seine Schokolade. Es gibt mehrere kleine Manufakturen, in denen man Schokolade von Hand herstellt. Ich entschied mich für eine, die etwas außerhalb des Stadtzentrums lag. Die Manufaktur war ein kleines, gemütliches Geschäft mit einem winzigen Café. Ich bestellte eine heiße Schokolade und ein paar Pralinen. Die Schokolade war unglaublich cremig und aromatisch. Man konnte schmecken, dass sie mit viel Liebe und Sorgfalt hergestellt wurde. Ich unterhielt mich mit dem Besitzer, einem freundlichen Mann namens Ricardo. Er erzählte mir, dass er die Kakaobohnen direkt von lokalen Bauern bezieht und die Schokolade nach traditionellen Rezepten herstellt. Er bot mir an, an einem Schokoladen-Workshop teilzunehmen, bei dem ich lernen konnte, wie man Schokolade von Grund auf selbst herstellt. Ich nahm sofort an.

Ein kulinarischer Fauxpas und die Rettung durch "Melcocha"

Am späten Nachmittag wagte ich mich in ein kleines Viertel etwas abseits der Touristenpfade. Ich hatte gehört, dass dort einige der besten lokalen Restaurants versteckt sein sollen. Ich stolperte über ein winziges Lokal, in dem eine alte Dame gerade dabei war, eine Art Pfannkuchen zu backen. Ich bestellte einen und erwartete ein kulinarisches Meisterwerk. Was ich bekam, war… anders. Der Pfannkuchen war unglaublich süß, fast schon widerlich. Er war voller Zucker und sah aus, als hätte jemand vergessen, ihn zu wenden. Ich versuchte, ein paar Bissen zu essen, aber es ging einfach nicht. Ich fühlte mich schlecht, weil ich die Dame nicht verärgern wollte, aber ich konnte den Pfannkuchen einfach nicht essen. Ich verließ das Lokal mit leerem Magen und einem Gefühl der Enttäuschung. Aber dann entdeckte ich einen kleinen Stand, an dem eine andere Dame gerade "Melcocha" zubereitete – eine Art Karamell-Süßigkeit aus Zuckerrohrsaft. Sie formte das heiße Karamell zu kleinen Figuren und bot mir eine an. Die Melcocha war unglaublich lecker. Süß, aber nicht zu süß, und mit einem Hauch von Vanille. Sie rettete meinen Tag und erinnerte mich daran, dass auch kulinarische Fehltritte Teil des Abenteuers sind. Mit einem süßen Lächeln und einem vollen Bauch kehrte ich zurück zu meinem Hotel, bereit für den nächsten Tag und all die kulinarischen Überraschungen, die Ecuador noch für mich bereithielt. Es war klar, dass diese Reise noch lange nicht zu Ende war, und ich freute mich darauf, noch tiefer in die Aromen und Traditionen dieses faszinierenden Landes einzutauchen.

Die Tage in Baños flogen vorbei, gefüllt mit Aromen, Farben und einer guten Portion Abenteuer. Ich hatte mich vorgenommen, dieses kleine Städtchen kulinarisch zu erobern, und ich glaube, ich bin dem Ziel schon ziemlich nahe gekommen. Es war nicht immer einfach, aber hey, wo wäre der Spaß, wenn alles glatt laufen würde?

Mehr als nur Ceviche und Empanadas

Klar, Ceviche und Empanadas sind lecker, aber Ecuador hat so viel mehr zu bieten. Ich habe gelernt, dass die Vielfalt der Zutaten und die regionalen Spezialitäten dieses Land so einzigartig machen. Vom Almuerzo, dem herzhaften Mittagessen, bis hin zu den exotischen Früchten auf dem Markt – jeder Bissen war eine neue Entdeckung.

Ich habe mich auch getraut, Dinge zu probieren, von denen ich vorher nie gedacht hätte, dass ich sie essen würde. Chontacuro, die Palmwürmer, waren definitiv eine Herausforderung, aber hey, ich bin ja hier, um neue Erfahrungen zu sammeln. Und die Melcocha, die Karamell-Süßigkeit, war ein wahrer Glücksfall. Süß, aber nicht zu süß, und einfach perfekt, um den Tag ausklingen zu lassen.

Ein paar Tipps für angehende Foodies

Wenn ihr also auch nach Baños reist und euch für gutes Essen interessiert, hier ein paar Tipps von mir:

<
  • Geht auf den Markt: Dort findet ihr nicht nur frische Zutaten, sondern auch viele lokale Spezialitäten, die ihr nirgendwo anders findet.
  • Probiert das Almuerzo: Es ist günstig, lecker und eine großartige Möglichkeit, die lokale Küche kennenzulernen.
  • Seid mutig: Traut euch, Dinge zu probieren, von denen ihr vorher noch nie gehört habt. Manchmal sind die ungewöhnlichsten Gerichte die besten.

Und noch ein Tipp: Vergesst nicht, die Schokolade zu probieren. Baños ist bekannt für seine handgemachte Schokolade, und sie ist einfach unglaublich lecker.

Fazit: Mehr als nur ein Reiseziel

Baños ist mehr als nur ein Reiseziel für Abenteuersportler. Es ist ein Ort, an dem man die lokale Kultur erleben, die Natur genießen und vor allem gutes Essen entdecken kann. Ich bin mit vollem Bauch und einem glücklichen Herzen abgereist, und ich bin sicher, dass ich bald wiederkommen werde.

Es war eine Reise, die mir gezeigt hat, dass es nicht immer darum geht, die perfekten Orte zu finden, sondern darum, sich auf das Abenteuer einzulassen und die kleinen Dinge zu genießen. Und manchmal, da braucht es einfach nur einen guten Almuerzo, um den Tag perfekt zu machen.

    👤 Paar Mitte 50, kulturinteressiert und genussorientiert ✍️ persönlich und intim