Norwegische Pfade: Eine Reise nach Rogaland
Ein alter Traum wird wahr
Norwegen. Ein Land, das schon lange auf meiner Liste stand. Nicht die typischen Städte, nicht die Postkartenmotive mit den bunten Holzhäusern, obwohl die natürlich auch hübsch sind. Nein, ich wollte die Wildnis, die Weite, die Stille. Ich bin ja schon seit Jahren begeistert von langen Wanderwegen, von der Möglichkeit, tagelang mit dem Rucksack unterwegs zu sein, nur mit dem Nötigsten bepackt. Der Appalachian Trail in den USA, der Camino de Santiago in Spanien… das sind Erfahrungen, die einen prägen. Und jetzt sollte es nach Norwegen gehen, genauer gesagt: nach Rogaland, der Region um Stavanger.
Ich bin 55, pensionierter Lehrer, und habe mir das Wandern zum Lebensstil gemacht. Nicht als Leistungssport, sondern als Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, die Natur zu erleben und mich selbst wiederzufinden. Ich versuche, so nachhaltig wie möglich zu reisen, den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Das bedeutet: öffentliche Verkehrsmittel nutzen, regionale Produkte kaufen, auf Plastik verzichten und die Natur respektieren. Ich glaube, wir haben alle eine Verantwortung, unsere Welt zu schützen.
Stavanger: Mehr als nur Öl
Stavanger selbst überraschte mich. Ich hatte es ehrlich gesagt als eher industriell und von der Ölindustrie geprägt erwartet. Und ja, die Ölindustrie ist hier präsent, das sieht man. Aber die Stadt hat auch eine wunderschöne Altstadt mit weißen Holzhäusern, verwinkelten Gassen und kleinen Cafés. Ich bummelte ein bisschen herum, ließ mich treiben und beobachtete das bunte Treiben. Ein älterer Mann saß auf einer Bank und spielte Akkordeon, eine Gruppe junger Leute lachte und unterhielt sich angeregt. Es war eine entspannte Atmosphäre.
Ich checkte in mein kleines Hotel ein, das sich in einem der alten Lagerhäuser am Hafen befand. Einfach, aber zweckmäßig und mit Blick auf das Wasser. Ich packte meinen Rucksack für die nächsten Tage, überprüfte meine Ausrüstung und studierte noch einmal die Wanderkarte. Ich hatte mir vorgenommen, den Preikestolen zu erklimmen, diesen berühmten Felsen, der steil aus dem Lysefjord ragt. Aber das war nur der Anfang. Ich wollte auch einige der weniger bekannten Wanderwege erkunden, abseits der Touristenströme. Ich hatte gelesen, dass es in dieser Region viele versteckte Seen, abgelegene Täler und unberührte Wälder gibt. Und genau das wollte ich sehen.
Die erste Begegnung mit der norwegischen Küche
Am Abend suchte ich mir ein kleines Restaurant am Hafen, das regionale Spezialitäten anbot. Ich bestellte einen Lachs mit Kartoffeln und Gemüse. Der Lachs war frisch und zart, die Kartoffeln waren mit Dill gewürzt. Es schmeckte einfach köstlich. Ich kam ins Gespräch mit dem Kellner, einem jungen Mann mit langen blonden Haaren und freundlichen Augen. Er erzählte mir, dass er in einer kleinen Fischergemeinde aufgewachsen war und seit Jahren in diesem Restaurant arbeitete. Er war stolz auf die regionale Küche und freute sich, dass immer mehr Touristen daran interessiert waren. Wir sprachen noch lange über das Leben in Norwegen, über die Herausforderungen des Klimawandels und über die Bedeutung einer nachhaltigen Lebensweise.
Nach dem Essen spazierte ich noch am Hafen entlang. Die Sonne war bereits untergegangen, aber der Himmel leuchtete in allen möglichen Farben. Ich blickte auf das dunkle Wasser des Fjords, auf die fernen Berge und auf die kleinen Lichter der Stadt. Es war ein friedlicher Moment. Ich fühlte mich angekommen, bereit für die Abenteuer, die vor mir lagen. Morgen würde ich aufbrechen, hinaus in die Natur, um die Schönheit Norwegens zu entdecken. Und ich ahnte, dass diese Reise etwas Besonderes werden würde – eine Reise, die mich noch lange begleiten würde. Der morgige Tag stand ganz im Zeichen der Vorbereitung, denn die eigentliche Wanderung sollte erst am übernächsten Tag beginnen, und ich wollte sicherstellen, dass alles perfekt vorbereitet ist, um die volle Schönheit und Herausforderung der norwegischen Landschaft genießen zu können.
Der nächste Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel. Ich versuchte, so viele regionale Produkte wie möglich zu essen: frisches Brot, selbstgemachte Marmelade, lokalen Käse. Irgendwann muss man ja die Energiereserven auffüllen, bevor es richtig losgeht. Danach widmete ich mich der letzten Feinabstimmung meiner Ausrüstung. Die Wanderkarte studierte ich noch einmal im Detail, überprüfte die Wettervorhersage und packte meinen Rucksack ein letztes Mal. Ich hatte gelernt, dass man in Norwegen auf alles vorbereitet sein muss, egal wie gut man plant.
Gamle Stavanger: Ein Schritt zurück in die Zeit
Bevor ich mich ins Fjlland aufmachte, erkundete ich noch das Viertel Gamle Stavanger. Das ist ein wunderschöner, historischer Stadtteil mit engen Gassen und kleinen, weiß gestrichenen Holzhäusern. Es fühlte sich an, als würde man in eine andere Zeit zurückreisen. Ich verirrte mich absichtlich in den Gassen, fotografierte die malerischen Häuser und beobachtete die Bewohner. Es war eine friedliche und beschauliche Atmosphäre. In einem der Häuser hatte sich ein kleines Museum eingerichtet, das die Geschichte des Viertels und das Leben der Fischerfamilien dokumentierte. Ich verbrachte dort einige Zeit und lernte viel über die Vergangenheit Stavangers. Es war beeindruckend zu sehen, wie die Menschen hier einst gelebt und gearbeitet haben.
Der Klippefiskmarkt: Ein Fest für die Sinne
Am Nachmittag besuchte ich den Klippefiskmarkt, einen traditionellen Markt, auf dem seit Jahrhunderten Klippfisk – getrockneter und gesalzener Kabeljau – verkauft wird. Der Geruch war intensiv, aber angenehm. Überall lagen Fischhaufen, die in der Sonne glänzten. Die Händler waren lautstark und feilschten mit den Kunden. Ich kaufte ein kleines Stück Klippfisk als Souvenir und probierte ihn vor Ort. Er war salzig und zäh, aber schmackhaft. Der Markt war ein Fest für die Sinne und ein lebendiger Teil des Stadtlebens. Ich beobachtete, wie die Einheimischen ihren Fisch kauften, und lernte viel über die Bedeutung des Klippfischs für die norwegische Kultur.
Eine kleine Panne am Hafen
Als ich am Abend zurück zum Hotel ging, passierte mir ein kleiner Fauxpas. Ich war so vertieft in meine Gedanken, dass ich nicht aufpasste und mit meinem Rucksack versehentlich einen Stapel frisch gefangener Fische umstieß. Die Fische landeten auf dem Boden, und ich war natürlich peinlich berührt. Die Händler waren zwar kurz verärgert, aber sie lachten dann und halfen mir, die Fische wieder einzusammeln. Ich entschuldigte mich natürlich tausendmal und bot an, den Schaden zu ersetzen. Zum Glück ging alles gut, und ich konnte mit einem Lächeln weitergehen. Es war eine kleine Erinnerung daran, dass man auch auf Reisen nicht vor Pannen gefeit ist.
Mit all diesen Eindrücken und Vorbereitungen im Gepäck, war ich bereit, mich der Wildnis Norwegens zu stellen. Morgen würde ich mit dem Bus in Richtung Lysefjord fahren, dem Ausgangspunkt meiner Wanderung zum Preikestolen. Ich freute mich auf die Herausforderungen, die vor mir lagen, und auf die unberührte Natur, die ich entdecken würde. Und ich ahnte, dass diese Reise mir noch lange in Erinnerung bleiben würde – eine Reise, die mich mit der Schönheit und Stille Norwegens verbinden würde und mir gleichzeitig die Bedeutung eines nachhaltigen Lebensstils vor Augen führen würde.
Der Bus ratterte durch die grüne Landschaft, vorbei an tiefen Fjorden und hoch aufragenden Bergen. Ich saß am Fenster und genoss die Aussicht, während ich mich langsam aber sicher dem Ausgangspunkt meiner Wanderung näherte. Lysefjord. Schon der Name klang vielversprechend. Ich hatte mich bewusst für eine Route entschieden, die abseits der ausgetretenen Pfade lag, um die unberührte Natur Rogalands wirklich erleben zu können. Ich wollte nicht nur die berühmten Sehenswürdigkeiten sehen, sondern auch die kleinen, versteckten Juwelen entdecken, die dieses Land zu bieten hat.
Der Preikestolen und mehr
Der Preikestolen war natürlich ein Highlight. Der Anstieg war anstrengend, aber die Aussicht von oben war atemberaubend. Man stand auf einem riesigen Felsen, der steil über dem Lysefjord ragte, und blickte auf das tiefblaue Wasser und die grünen Hügel. Es war ein überwältigendes Gefühl. Aber ich wollte mehr sehen als nur den Preikestolen. Ich wanderte weiter, vorbei an kristallklaren Seen, durch dichte Wälder und über sanfte Hügel. Ich entdeckte kleine Wasserfälle, die sich in sprudelnden Bächen ergießen, und verbrachte Stunden damit, einfach nur die Stille zu genießen.
Nachhaltigkeit im Rucksack
Ich versuchte, so umweltfreundlich wie möglich zu reisen. Ich nutzte öffentliche Verkehrsmittel, kaufte regionale Produkte und verzichtete auf Plastik. Ich sammelte meinen Müll wieder ein und achtete darauf, die Natur nicht zu beeinträchtigen. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir alle unseren Beitrag leisten, um unsere Umwelt zu schützen. Es ist unser aller Verantwortung. Ich hatte auch gelernt, dass man in Norwegen auf das Wetter vorbereitet sein muss. Das Wetter kann sich schnell ändern, und man muss sich entsprechend kleiden. Ich hatte mehrere Schichten Kleidung dabei, eine wasserdichte Jacke und feste Wanderschuhe.
Begegnungen mit Einheimischen
Ich kam auch mit einigen Einheimischen ins Gespräch. Sie waren freundlich und hilfsbereit und erzählten mir viel über ihre Heimat. Ich lernte viel über die norwegische Kultur und Lebensweise. Ich erfuhr, dass die Menschen hier sehr naturverbunden sind und dass sie großen Wert auf Nachhaltigkeit legen. Ich wurde auch eingeladen, an einem traditionellen Abendessen teilzunehmen, bei dem ich lokale Spezialitäten probieren konnte. Es war eine unvergessliche Erfahrung.
Ein Fazit und ein paar Tipps
Diese Reise nach Rogaland war etwas Besonderes. Ich habe die Schönheit der norwegischen Natur, die Freundlichkeit der Menschen und die Bedeutung eines nachhaltigen Lebensstils kennengelernt. Ich bin dankbar für diese Erfahrungen und ich werde sie nie vergessen. Wenn du auch nach Norwegen reisen möchtest, kann ich dir ein paar Tipps geben:
- Packe wetterfeste Kleidung ein, da das Wetter schnell umschlagen kann.
- Nutze öffentliche Verkehrsmittel, um die Umwelt zu schonen.
- Kaufe regionale Produkte, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen.
- Respektiere die Natur und hinterlasse keinen Müll.
- Nimm dir Zeit, die Stille zu genießen und die Schönheit der Landschaft auf dich wirken zu lassen.
Norwegen ist ein Land, das man mit allen Sinnen erleben sollte. Ein Land, das dich verzaubern und inspirieren wird. Und ein Land, das du mit Respekt und Nachhaltigkeit behandeln solltest. Denn nur so können wir sicherstellen, dass auch zukünftige Generationen die Schönheit dieses Landes genießen können.
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- Preikestolen (Felsen)
- Lysefjord (Fjord)
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- Stavanger (Stadt)