Staub, Elefanten und ein leicht verrückter Urlaub
Ein bisschen Vorlaufgeschichte
Die Idee zu dieser Reise war eigentlich in einem Moment der Verzweiflung geboren. Ich, also ich, bin ja so der Typ für "Alles planen, bis ins kleinste Detail". Susanne eher… spontan. Das führte schon oft zu Diskussionen. Letztes Jahr, nach einem missglückten Campingausflug in der Eifel (ich hatte vergessen, die Isomatten einzupacken, Susanne hatte keine Lust mehr auf meinen akribischen Packplan), einigten wir uns: Nächster Urlaub muss "anders" sein. Also, wirklich anders. Irgendwie abenteuerlich. Und nicht, mit Verlaub, so "deutsch". Irgendwie. Dann stolperte ich über Namibia. Weite Landschaften, Tierwelt, wenig Touristen… Klingte gut. Und als ich dann noch las, dass man dort auch ohne Impfpass hinkommt (okay, ich bin ein bisschen ein Hypochonder), war der Deal besiegelt.Die Anreise – Ein Marathon
Die Anreise war… sagen wir mal, herausfordernd. Zwei Flüge, ein Mietwagen, der aussah, als hätte er schon bessere Tage gesehen, und insgesamt 28 Stunden Reisezeit. Leo hatte gefühlt alle 30 Minuten nach einem Klo gefragt, Emma hatte sich in ihr Tablet vertieft und ich hatte versucht, nicht in Panik zu geraten, als der Pilot beim ersten Landeanflug durchgegeben hat, dass es ein bisschen windig sei. Susanne, die Meisterin der Gelassenheit, hatte währenddessen Kreuzworträtsel gelöst und uns beruhigend zugelächelt. Manchmal frage ich mich, wo sie ihre Energie hernimmt.Erste Eindrücke vom Etosha-Nationalpark
Unser kleines Safari-Lodge, das "Mushara Lodge", lag etwas außerhalb des eigentlichen Nationalparks. Aber das war auch gut so. Es war ruhig, idyllisch und hatte einen kleinen Pool, der die Kinder sofort in Begeisterung versetzte. Die Hütten waren zwar einfach, aber sauber und hatten sogar ein Moskitonetz über dem Bett. Ich hatte gelesen, dass es im Etosha-Nationalpark viele Mücken gibt. Und meine, das stimmte! Nachdem wir unser Gepäck abgeladen und die Kinder im Pool untergebracht hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserer ersten Pirschfahrt. Ich hatte mir extra ein super Zoom-Objektiv für meine Kamera gekauft und mich mit Tierbestimmungsbüchern eingedeckt. Ich wollte der König der Safari-Fotografie werden. Der Nationalpark selbst war… riesig. Eine endlose, trockene Landschaft, die im goldenen Abendlicht leuchtete. Und dann, plötzlich, sahen wir sie: Eine Herde Springböcke, die elegant über die Savanne hüpfte. Leo quietschte vor Freude, Emma versuchte, alles mit ihrem Tablet zu filmen und ich? Ich versuchte, die Kamera richtig einzustellen, bevor die Tiere verschwanden. Es war chaotisch, aber wunderschön. Nachdem wir noch ein paar Elefanten aus der Ferne beobachtet hatten, machten wir uns auf den Rückweg zur Lodge. Ich war erschöpft, aber glücklich. Die erste Pirschfahrt war ein Erfolg. Und die Kinder waren begeistert. Die nächsten Tage würden wir noch viele weitere Tiere sehen, unglaubliche Landschaften erkunden und einige unvergessliche Momente erleben. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Teil dieses Reiseberichts. Jetzt freue ich mich erstmal auf ein kühles Bier und ein bisschen Ruhe. Und darauf, dass Leo nicht wieder versucht, das Moskitonetz als Klettergerüst zu benutzen.Der Wasserloch-Wahnsinn
Das Konzept der Wasserlöcher im Etosha-Nationalpark ist genial. In der Trockenzeit sammeln sich die Tiere dort, um zu trinken, und man kann sie aus sicherer Entfernung beobachten. Klingt doch perfekt, oder? In der Theorie ja. In der Praxis… nun ja. Wir besuchten das Okaukuejo Wasserloch, das wohl am besten ausgestattet ist, mit einer beleuchteten Fläche und Sitzbänken. Super, dachte ich, wir richten es uns gemütlich und warten, bis die Tierwelt zu uns kommt.Falsch gedacht. Es war ein Kampf um die besten Plätze, ein Gedränge aus Touristen mit riesigen Kameras und langen Zoomobjektiven. Es herrschte eine unheimliche Spannung, als jeder hoffte, den perfekten Schnappschuss zu machen. Ich versuchte, Leo und Emma irgendwie bei Laune zu halten, während ich gleichzeitig versuchte, nicht von einem aufgeregten Japaner mit seinem Stativ umgerannt zu werden. Und dann kamen die Elefanten.
Eine riesige Familie, die sich gemächlich zum Wasserloch bewegte. Alle waren begeistert, bis ein kleiner Elefant beschloss, dass mein Rucksack ein interessantes Objekt war. Er zog daran, stieß ihn an und versuchte, ihn mit dem Rüssel zu inspizieren. Ich musste den Rucksack retten, während Susanne versuchte, Leo davon abzuhalten, den Elefanten zu füttern (mit Keksen, natürlich). Es war chaotisch, lustig und ein bisschen beängstigend. Aber hey, das ist eben Afrika, oder?
Halali – Das Paradies der Raubtiere (und Mücken)
Unser nächstes Ziel war das Halali Camp, das als idealer Ort gilt, um Raubtiere zu beobachten. Und tatsächlich, wir sahen Löwen, Hyänen und sogar einen Leoparden – allerdings nur aus sicherer Entfernung. Das Camp selbst war ein bisschen heruntergekommen, aber es hatte einen kleinen Pool, der die Kinder wieder glücklich machte. Und eine Mückenpopulation, die selbst afrikanische Standards sprengte. Ich zählte mindestens 20 Mückenstiche, bevor ich ins Bett ging. Susanne lachte nur und sagte, ich solle mich mit dem Moskitonetz anfreunden.
Halali hat auch einen beleuchteten Wasserloch-Bereich. Und hier war es anders als in Okaukuejo. Viel ruhiger, viel entspannter. Wir saßen da, tranken ein kühles Getränk und beobachteten, wie sich Nashörner und Löwen friedlich das Wasser teilten. Es war magisch. Aber dann kam Leo auf die Idee, mit seinem Laserpointer die Tiere zu ärgern. Ich musste ihn sofort stoppen, bevor einer der Löwen sauer wurde.
Namutoni – Der Burgblick
Unser letztes Camp war Namutoni, bekannt für seine alte deutsche Festung, die inmitten der Savanne steht. Die Festung ist ein beeindruckendes Bauwerk und bietet einen fantastischen Blick über die Landschaft. Von dort aus konnten wir Zebras, Gnus und Oryx beobachten. Emma war begeistert von der Festung und spielte dort stundenlang. Leo hingegen war mehr daran interessiert, die Kanonen zu erklimmen. Ich musste ihm erklären, dass das gefährlich ist und dass Kanonen nicht zum Klettern gedacht sind.
Namutoni hatte auch einen kleinen Souvenirladen, in dem Emma ein Stofftier-Oryx gekauft hat. Es ist jetzt ihr Lieblingsspielzeug und begleitet sie überall hin. Wir verließen Namutoni mit einem weinenden Auge, aber auch mit vielen unvergesslichen Erinnerungen.
Die Tage im Etosha-Nationalpark waren anstrengend, chaotisch und manchmal auch frustrierend. Aber sie waren auch wunderschön, magisch und unvergesslich. Wir haben unglaubliche Tiere gesehen, atemberaubende Landschaften erkundet und als Familie viel Zeit miteinander verbracht. Und so haben wir das Gefühl, dass dieser Urlaub mehr als nur eine Reise war – er war ein Abenteuer, das uns für immer verbinden wird und uns langsam aber sicher in die Welt des 'langsamen Reisens' eintauchen lässt.
Die letzten Stunden im Etosha-Nationalpark flogen wie im Flug vorbei. Es war eine Mischung aus atemberaubenden Landschaften, wilden Tieren und dem ständigen Gefühl, dass irgendetwas Unvorhergesehenes passieren könnte. Und das tat es auch, immer wieder. Leo hatte am vorletzten Tag versucht, einem Zebra die Hand zu geben (was natürlich nicht gut ankam), und Emma hatte ein Foto von einem Elefanten gemacht, das so unscharf war, dass man es mit einem grauen Flecken verwechseln konnte. Aber das war okay. Es war ein authentischer Urlaub, eben nicht perfekt inszeniert, sondern mit all seinen kleinen Macken und chaotischen Momenten.
Rückblick und Fazit
Ich muss zugeben, ich war am Anfang skeptisch. Namibia schien mir irgendwie weit weg, wild und unberechenbar. Aber ich habe mich getäuscht. Es ist ein Land voller Schönheit, Gastfreundschaft und Abenteuer. Und es ist ein Ort, an dem man wirklich abschalten und dem Alltag entfliehen kann. Ich habe gelernt, dass es nicht immer alles nach Plan laufen muss, und dass die schönsten Momente oft die sind, die man nicht erwartet hat. Die Kinder haben so viel gelernt über Tiere, Natur und andere Kulturen. Und ich habe gelernt, dass ich doch noch ein bisschen Abenteuergeist in mir habe.
Ein paar Tipps für eure Reise
Wenn ihr auch mal nach Namibia reisen wollt, hier ein paar Tipps von mir:
Packt unbedingt Sonnencreme und einen Hut ein
Die Sonne in Namibia ist extrem stark. Und glaubt mir, ihr wollt nicht mit Sonnenbrand im Etosha-Nationalpark herumlaufen. Und für die Mücken nicht vergessen, ein gutes Repellent.
Mietet ein Geländewagen
Die Straßen in Namibia sind oft unbefestigt. Ein Geländewagen ist also Pflicht, wenn ihr auch abseits der Hauptrouten unterwegs sein wollt. Und er bietet mehr Platz für Gepäck und müde Kinder.
Seid flexibel
Plant nicht zu viel. Lasst euch treiben und genießt die Freiheit. Namibia ist ein Land, das man am besten entdeckt, wenn man sich einfach mal treiben lässt. Und seid auf alles vorbereitet. Manchmal ändert sich der Plan kurzfristig – aber das gehört ja zum Abenteuer.
Abschied
Am letzten Tag standen wir noch einmal am Wasserloch in Halali und beobachteten die Tiere. Ein Elefant trank gemütlich Wasser, ein Löwe döste in der Sonne und ein paar Zebras grasten friedlich in der Nähe. Es war ein magischer Moment. Wir haben uns verabschiedet von diesem wunderschönen Land und versprochen, irgendwann wiederzukommen. Namibia, du hast uns verzaubert. Und wir werden dich nie vergessen.
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- Etosha-Nationalpark - das absolute Highlight unserer Reise.
- Halali Wasserloch - ein magischer Ort, um Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.
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- Okaukuejo - der belebte Ort mit dem beleuchteten Wasserloch.