Zwischen Hühnerfüßen und Hochtechnologie: Ein Peking-Tagebuch
Erste Schritte im Kaiserreich
Ich bin ehrlich gesagt etwas überfordert. Als digitaler Nomade habe ich in den letzten Jahren einiges gesehen – von den Stränden Thailands über die Cafés von Lissabon bis zu den Co-Working Spaces in Medellín. Aber das hier ist anders. Viel anders. Nicht schlecht, versteht mich nicht falsch, einfach…intensiver. Alles ist größer, lauter, schneller. Und die Menschenmassen! Ich wohne in einem Hutong, einer traditionellen Gasse, in der Nähe des Himmelstempels. Eine gute Wahl, dachte ich, um das "echte" Peking zu erleben. Die Gasse ist eng, verwinkelt und voll mit kleinen Läden, Restaurants und Werkstätten. Ein authentischer Kontrast zu den glitzernden Wolkenkratzern, die in der Ferne aufragen.Ich habe mich bewusst für Peking entschieden, weil ich eine Herausforderung suchte. Ich bin an dem Punkt meiner Reise angelangt, an dem ich mehr brauche als nur "schöne Strände und billiges Essen". Ich will etwas verstehen, etwas lernen. Und China, mit seiner langen Geschichte, seiner komplexen Kultur und seiner rasanten Entwicklung, erschien mir wie der perfekte Ort dafür.
Warum eigentlich Peking?
Die Entscheidung war nicht ganz einfach. Eigentlich wollte ich erstmal Südostasien weiter erkunden. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich in einer Art Routine gefangen war. Immer die gleichen Backpacker-Routen, immer die gleichen Gespräche, immer die gleichen Erfahrungen. Ich brauchte einen Reset, etwas Neues, etwas Unbekanntes. Und dann stieß ich auf einen Artikel über die aufstrebende digitale Nomaden-Szene in Peking. Junge Leute aus aller Welt, die hier leben und arbeiten, die sich mit der chinesischen Kultur auseinandersetzen und neue Geschäftsideen entwickeln. Das klang spannend.
Ich muss zugeben, dass ich auch von der Vorstellung fasziniert war, ein Land zu erleben, das so anders ist als alles, was ich bisher gesehen habe. Die Sprache, das Essen, die Bräuche, die Geschichte – alles ist fremd und herausfordernd. Und genau das reizt mich. Ich will nicht nur touristische Highlights abhaken, sondern wirklich eintauchen in die Kultur, die Menschen kennenlernen, die Sprache lernen (zumindest ein bisschen).Das erste Problem, neben der Sprachbarriere, ist die Zensur. Der Zugriff auf viele westliche Websites und Apps ist blockiert, darunter auch Google, Facebook und Instagram. Ich habe zwar ein VPN, aber es ist ständig am Aussetzen und die Verbindung ist langsam. Es ist schon seltsam, nicht einfach auf Informationen zugreifen zu können, die man gewohnt ist. Ich fühle mich ein bisschen wie in einem digitalen Dunkelheit.
Der erste Kulturschock
Gestern bin ich zum ersten Mal in einem lokalen Supermarkt gewesen. Ein Erlebnis! Überall Menschen, die feilschen, rufen und gestikulieren. Die Auswahl an Lebensmitteln ist riesig, aber oft auch unübersichtlich. Ich habe versucht, Joghurt zu kaufen, aber ich war mir nicht sicher, welches das richtige war. Ich habe dann einfach blindlings eines gegriffen und gehofft, dass es nicht verdorben ist. Später habe ich herausgefunden, dass es sich um fermentierten Sojamilch handelte. Schmeckt...interessant.
Die Menschen sind unglaublich neugierig und hilfsbereit. Obwohl die Sprachbarriere oft ein Problem ist, versuchen sie immer, mir zu helfen, egal was ist. Ich wurde schon mehrmals gefragt, woher ich komme und was ich in Peking mache. Die Leute sind stolz auf ihre Stadt und wollen sie gerne zeigen.
Es ist noch zu früh, um ein Urteil zu fällen, aber ich habe das Gefühl, dass Peking eine Stadt ist, die einen entweder liebt oder hasst. Es ist eine Stadt der Extreme, der Kontraste, der Herausforderungen. Aber ich bin gespannt, was die nächsten Monate bringen werden. Ich muss mich erst einmal an das Chaos gewöhnen, die Sprache lernen und die chinesische Kultur besser verstehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich hier etwas lernen und wachsen werde. Und vielleicht sogar ein paar interessante Geschichten erzählen kann.
Jetzt muss ich erstmal einen Weg finden, ein funktionierendes VPN zu installieren und herausfinden, wie man mit Alipay bezahlen kann. Die digitale Welt hier ist definitiv anders als das, was ich gewohnt bin, und ich stehe erst am Anfang meiner Erkundungstour.Jetzt muss ich erstmal einen Weg finden, ein funktionierendes VPN zu installieren und herausfinden, wie man mit Alipay bezahlen kann. Die digitale Welt hier ist definitiv anders als das, was ich gewohnt bin, und ich stehe erst am Anfang meiner Erkundungstour.Hutongs und versteckte Tempel
Die Hutongs sind wirklich faszinierend. Ich verbringe Stunden damit, einfach nur darin herumzuwandern, die kleinen Gassen zu erkunden und das Leben der Menschen zu beobachten. Es ist ein ganz anderer Rhythmus als in den breiten Boulevards. Hier spielen Kinder auf der Straße, alte Männer sitzen vor ihren Häusern und spielen Mahjong, und Frauen bereiten Essen in kleinen Küchen zu. Es ist ein authentischer Einblick in das "echte" Peking, weit weg von den glitzernden Einkaufszentren und den Touristenattraktionen.Ich habe versucht, mich mal in einem kleinen, lokalen Restaurant zu verständigen. Eine komplette Katastrophe. Ich wollte eigentlich nur Reis mit Gemüse bestellen, aber irgendwie landete ich mit einem riesigen Teller Hühnerfüßen vor mir. Ich habe versucht, zu erklären, dass ich das nicht bestellt habe, aber der Kellner sprach kein Englisch und ich spreche kein Chinesisch. Am Ende habe ich die Füße widerwillig gegessen – war jetzt auch nicht das Schlimmste, aber definitiv eine Erfahrung!
Der Tempel des Himmels und die Morgenroutine
Der Himmelstempel ist beeindruckend. Ich gehe jeden Morgen dorthin, um ein bisschen Yoga zu machen und die Atmosphäre zu genießen. Es ist ein ruhiger Ort, der weit weg vom Lärm und der Hektik der Stadt liegt. Besonders schön ist es, wenn die Einheimischen dort ihre Morgenroutine absolvieren – Tai Chi, Qigong, Tanzen, alles Mögliche. Ich fühle mich ein bisschen fehl am Platz, als westlicher Yoga-Praktizierender, aber die Leute sind freundlich und neugierig.
Einmal habe ich versucht, mit einer älteren Dame zu plaudern, die Tai Chi gemacht hat. Ich habe versucht, ein paar chinesische Wörter zu sagen, die ich gelernt hatte, aber ich habe mich komplett vertan und gesagt, dass ich ein Huhn bin. Die Dame hat laut gelacht und dann versucht, mir zu erklären, was ich falsch gesagt habe. War ein lustiger Moment, und ich habe gelernt, dass man sich nicht zu sehr anstrengen sollte, wenn man eine neue Sprache lernt.
798 Art District: Zwischen Kunst und Kommerz
Der 798 Art District ist ein komplett anderer Kontrast zu den Hutongs. Ein riesiges Industriegebiet, das in eine Kunstszene verwandelt wurde. Galerien, Ateliers, Cafés, Restaurants – alles ist hier vertreten. Es ist ein beliebter Treffpunkt für Künstler, Studenten und Touristen. Ich war anfangs etwas skeptisch, weil es so kommerziell wirkt, aber ich war positiv überrascht. Es gibt einige wirklich interessante Ausstellungen und Kunstwerke zu sehen.
Ich habe mich mit einem jungen Künstler unterhalten, der Skulpturen aus recyceltem Metall herstellt. Er erzählte mir, dass die Kunstszene in Peking sehr lebendig ist, aber auch mit vielen Herausforderungen zu kämpfen hat, wie zum Beispiel Zensur und hohe Mieten. Er träumt davon, eines Tages eine eigene Galerie zu eröffnen, aber er weiß nicht, ob das überhaupt möglich sein wird.
Es ist faszinierend, wie Peking diese Gegensätze vereint – die traditionellen Hutongs und die moderne Kunstszene, die ruhigen Tempel und die hektischen Einkaufsstraßen. Es ist eine Stadt, die ständig im Wandel ist, die zwischen Vergangenheit und Zukunft hin- und hergerissen ist. Und ich bin froh, dass ich hier sein kann, um all das zu erleben. Aber nach ein paar Wochen intensiver Erkundungstouren wird es Zeit, die Eindrücke zu sortieren und mich auf die nächste Etappe meiner Reise vorzubereiten, denn Peking hat mir gezeigt, dass es noch so viel mehr zu entdecken gibt.
Die letzten Wochen in Peking waren intensiv, anstrengend und unglaublich bereichernd. Ich habe gelernt, dass man sich hier nicht auf das verlassen kann, was man zu wissen glaubt. Alles ist anders, komplexer, vielschichtiger. Und ja, ich habe tatsächlich gelernt, Hühnerfüße zu essen – nicht gerade mein Lieblingsgericht, aber ein Zeichen dafür, dass ich mich zumindest ein bisschen an die lokale Kultur anpasse.
Die digitale Zerrissenheit
Die ständige digitale Zensur ist immer noch ein Problem. Das VPN ist weiterhin instabil, und manchmal fühle ich mich, als würde ich in einer Informationsblase leben. Es ist frustrierend, nicht auf alle Informationen zugreifen zu können, die man braucht, um sich ein vollständiges Bild zu machen. Aber es hat mir auch gezeigt, wie wichtig es ist, kritisch zu denken und verschiedene Quellen zu nutzen.
Der Kontrast zwischen Alt und Neu
Was mich am meisten fasziniert hat, ist der Kontrast zwischen dem alten und dem neuen Peking. Auf der einen Seite die traditionellen Hutongs, die kleinen Gassen mit ihren alten Häusern und Werkstätten, wo das Leben noch im alten Stil stattfindet. Auf der anderen Seite die modernen Wolkenkratzer, die Einkaufszentren und die Hochtechnologie, die das Stadtbild prägen. Es ist ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt, das Peking zu einem so interessanten Ort macht.
Die Menschen und ihre Geschichten
Die Menschen in Peking sind unglaublich freundlich und hilfsbereit, auch wenn die Sprachbarriere oft ein Problem ist. Ich habe viele interessante Gespräche geführt, auch wenn sie manchmal nur mit Händen und Füßen stattfanden. Ich habe gelernt, dass man nicht immer alles verstehen muss, um eine Verbindung zu jemandem herzustellen.
Ein paar Tipps für andere Reisende
Wenn du nach Peking reist, hier ein paar Tipps, die ich dir mit auf den Weg geben möchte:
- Sei offen für Neues: Probiere lokale Spezialitäten, besuche ungewöhnliche Orte und lass dich von der Kultur überraschen.
- Lerne ein paar grundlegende chinesische Sätze: Das wird dir helfen, dich zu verständigen und die Menschen vor Ort zu beeindrucken.
- Installiere ein zuverlässiges VPN: Damit du Zugang zu allen Informationen hast, die du brauchst.
- Sei geduldig: Peking ist eine chaotische Stadt, und es kann lange dauern, bis man sich daran gewöhnt hat.
Abschied von Peking
Ich verlasse Peking mit vielen Eindrücken, Erfahrungen und Erinnerungen. Es war eine Herausforderung, aber auch eine Bereicherung. Ich habe gelernt, dass man sich nicht auf das verlassen kann, was man zu wissen glaubt, und dass es wichtig ist, offen für Neues zu sein. Peking ist eine Stadt, die einen verändert, und ich bin dankbar für die Zeit, die ich hier verbringen durfte. Ich bin gespannt, wohin meine Reise mich als nächstes führen wird, aber ich werde Peking nie vergessen.
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- Himmelstempel
- Hutongs
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- 798 Art District
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- Lokaler Supermarkt (als Kulturerlebnis)