Europa - Griechenland - Kreta (Chania)

Reisebericht Europa - Griechenland - Kreta (Chania)

Der Geruch von Pinien und Salz kitzelte in der Nase, vermischt mit dem warmen Duft von frisch gebrühtem Kaffee. Wir standen am Flughafen Chania, leicht benommen von der Landung und der plötzlichen Hitze, die uns empfing. Es war Mitte Mai, und Kreta hatte uns direkt in ihren Bann gezogen. Nicht irgendein Urlaub, sondern eine Art kleiner Flucht. Wir, das sind Max und ich, Lena, beide Anfang zwanzig. Wir hatten uns entschieden, der grauen Routine des Alltags zu entfliehen, bevor der Ernst des Lebens uns vollends einholt. Monate hatten wir mit der Planung verbracht, Karten studiert, Blogs gelesen und uns von Bildern türkisfarbenen Wassers und weiß getünchten Häusern inspirieren lassen.

Warum Kreta?

Es war nicht unsere erste gemeinsame Reise. Wir hatten schon einige Städtetrips hinter uns – Prag, Barcelona, Rom. Aber diesmal wollten wir mehr. Mehr Sonne, mehr Meer, mehr Entspannung. Und gleichzeitig etwas Kultur, etwas Geschichte. Kreta schien die perfekte Mischung zu sein. Die größte griechische Insel, reich an Mythologie, antiken Ruinen und traumhaften Stränden. Wir hatten uns bewusst gegen die touristischen Hochburgen entschieden und Chania als Ausgangspunkt gewählt. Eine Stadt, die laut Reiseführern ihren ursprünglichen Charme bewahrt hat, mit einem venezianischen Hafen, engen Gassen und traditionellen Tavernen.

Die erste Unterkunft

Die Taxifahrt ins Stadtzentrum war schon ein Erlebnis für sich. Die Landschaft präsentierte sich in sattem Grün, durchzogen von Olivenhainen und Zypressen. Schon beim ersten Blick auf die weißen Häuser, die sich an den Hügeln erstreckten, spürten wir, dass wir die richtige Wahl getroffen hatten. Unser kleines Apartment lag in einer ruhigen Seitenstraße, nur wenige Minuten vom Hafen entfernt. Eine kleine, aber feine Wohnung mit Balkon und Blick auf die Dächer der Stadt. Die Vermieterin, eine freundliche ältere Dame namens Maria, begrüßte uns mit einem Glas kühlen Orangensaft und einer Tüte mit lokalen Spezialitäten.

Der venezianische Hafen

Der Hafen von Chania ist das Herzstück der Stadt. Ein malerischer Ort, gesäumt von venezianischen Palästen, bunten Fischerbooten und zahlreichen Restaurants und Cafés. Schon am ersten Abend flanierten wir am Kai entlang, beobachteten das bunte Treiben und ließen uns von der Atmosphäre verzaubern. Die Luft war erfüllt vom Duft von Meeresfrüchten, gegrilltem Fleisch und süßen Backwaren.

Ein kleiner kulinarischer Erkundungstour

Wir entschieden uns für eine kleine Taverne, versteckt in einer der engen Gassen. Der Wirt, ein freundlicher Mann mit grauem Bart, empfahl uns Dakos, ein traditionelles kretisches Gericht aus geröstetem Brot, Tomaten, Feta und Olivenöl. Dazu bestellten wir einen lokalen Wein, einen trockenen Weißwein aus der Region. Das Essen war köstlich, die Atmosphäre entspannt und die Gesellschaft angenehm. Wir lernten ein älteres Ehepaar aus Deutschland kennen, das seit Jahren nach Kreta reiste und uns viele Tipps für die Erkundung der Insel gab.

Erste Erkundungen

Die nächsten Tage verbrachten wir damit, die Stadt zu erkunden. Wir besuchten die venezianische Festung Firka, die einen atemberaubenden Blick auf den Hafen bietet. Wir schlenderten durch die engen Gassen des alten Stadtzentrums, bewunderten die traditionelle Architektur und entdeckten kleine Geschäfte mit lokalen Produkten. Wir besuchten den Markt, wo wir frisches Obst, Gemüse, Käse und Olivenöl kauften.

Die kleinen Dinge

Es waren oft die kleinen Dinge, die uns in den Bann zogen: der Duft von Jasmin, der aus den Hinterhöfen drang, das leise Zirpen der Grillen, das Lachen der Kinder, die auf den Plätzen spielten. Wir lernten, die kretische Gelassenheit zu schätzen, die uns langsam aber sicher von unseren Alltagsstress befreite. Wir begannen, uns der Zeit zu beugen, anstatt sie zu kontrollieren. Und mit jedem Tag wurden wir mehr und mehr Teil dieser Insel, dieser Kultur, dieses Lebensgefühls. Jetzt wollten wir auch die Strände entdecken und uns auf den Weg machen, um die verborgenen Schönheiten Kretas zu erkunden.

Abseits des Hafens: Suda Bay und die Werften

Nach einigen Tagen im charmanten Zentrum von Chania wollten wir mehr von der Insel sehen. Wir mieteten einen kleinen Fiat 500 – die perfekte Wahl für die engen Straßen und kurvigen Küstenstraßen – und machten uns auf den Weg nach Suda Bay. Die Bucht ist riesig und beeindruckend, aber anders als die Postkartenmotive mit türkisfarbenem Wasser. Hier herrschte ein rauerer, industrieller Charme. Die Überreste der venezianischen Werft, die einst zum Bau von Schiffen diente, ragten aus dem Wasser empor. Es war ein ungewöhnlicher Ort, aber faszinierend. Wir spazierten entlang des Kais, beobachteten die Fischerboote und ließen uns von der Atmosphäre treiben.

Ein kleiner Fauxpas und ein glücklicher Zufall

Wir hatten uns vorgenommen, in einem der kleinen Restaurants am Hafen zu Mittag zu essen, aber hatten die Öffnungszeiten nicht beachtet. Alles war geschlossen. Enttäuscht machten wir uns auf den Rückweg, als wir an einem kleinen, versteckten Café vorbeikamen. Es war nicht besonders auffällig, aber es roch unglaublich gut nach frisch gebackenem Brot und Kaffee. Wir gingen hinein und wurden von einer älteren Dame mit strahlendem Lächeln begrüßt. Sie sprach kaum Englisch, aber mit Händen und Füßen konnten wir uns verständigen. Sie servierte uns einen einfachen, aber köstlichen griechischen Salat und einen starken, aromatischen Kaffee. Es war ein Glücksfall, der uns zeigte, dass die besten Erlebnisse oft unvorhergesehen sind.

Die Gassen von Topanas

Zurück in Chania erkundeten wir die Gegend um Toponas, ein Viertel oberhalb des venezianischen Hafens. Hier fanden wir eine ganz andere Atmosphäre vor. Die Gassen waren noch enger, die Häuser noch bunter, die Atmosphäre noch authentischer. Hier lebten die Einheimischen, hier spielten die Kinder, hier hingen die Wäsche auf. Wir verliefen uns in den verwinkelten Gassen, entdeckten kleine Werkstätten, versteckte Innenhöfe und traditionelle Tavernen.

Der Duft von Zitronen und Bougainvillea

In einer der Gassen entdeckten wir eine kleine Zitronenplantage, versteckt hinter einer hohen Mauer. Der Duft von Zitronenblüten lag in der Luft, vermischt mit dem Duft von Bougainvillea, die über die Mauern kletterten. Es war ein kleines Paradies, ein Ort der Ruhe und Schönheit. Wir setzten uns auf eine Bank und genossen die Atmosphäre. Es war ein Moment der Entspannung, der uns daran erinnerte, warum wir diese Reise gemacht hatten. Wir haben eine ältere Dame getroffen, die dort wohnte und sie erzählte uns viel über das Leben in dem Viertel und die Geschichte der Häuser.

Ein Tag am Elafonisi-Strand

Einen Tag planten wir einen Ausflug zum berühmten Elafonisi-Strand. Die Fahrt dorthin war lang, aber die Landschaft lohnte sich. Die Küstenstraße schlängelte sich entlang der zerklüfteten Küste, vorbei an Olivenhainen und kleinen Dörfern. Der Strand selbst war ein Traum: feiner, rosafarbener Sand, kristallklares Wasser und eine entspannte Atmosphäre. Es war allerdings auch sehr voll, und wir mussten uns einen Platz zwischen den vielen anderen Touristen suchen. Trotzdem konnten wir den Tag genießen, schwimmen, sonnen und die Schönheit der Natur bewundern.

Fazit

Kreta hat uns mit seiner Vielfalt, seiner Schönheit und seiner Gastfreundschaft verzaubert, und während wir uns auf den Heimweg vorbereiteten, wussten wir, dass dies nicht unsere letzte Reise auf diese faszinierende Insel gewesen sein würde.

Der letzte Abend auf Kreta kam schneller als erwartet. Wir saßen auf dem Balkon unseres Apartments, tranken noch einen letzten Glas Wein und blickten auf die Lichter der Stadt. Der Duft von Jasmin und Bougainvillea lag in der Luft, vermischt mit dem leisen Rauschen des Meeres. Es war schwer zu glauben, dass unsere Reise schon fast zu Ende war.

Die Tage waren gefüllt mit Entdeckungen, neuen Eindrücken und unvergesslichen Momenten. Wir hatten uns in die engen Gassen von Chania verliebt, die venezianische Architektur bewundert und die kretische Gastfreundschaft genossen. Die Strände waren ein Traum, das Essen köstlich und die Landschaft atemberaubend. Aber es war mehr als das. Es war das Gefühl von Freiheit, die Entschleunigung, die uns Kreta geschenkt hatte.

Wir hatten gelernt, die kleinen Dinge zu schätzen: den Duft von Pinien und Salz, den Geschmack von frischem Olivenöl, das Lachen der Kinder, die auf den Plätzen spielten. Wir hatten uns von der Hektik des Alltags befreit und uns ganz dem Moment hingegeben. Kreta hatte uns gelehrt, das Leben langsamer anzugehen und die Schönheit in den einfachen Dingen zu finden.

Ein paar persönliche Tipps für eure Reise

Wenn ihr auch nach Kreta reist, hier ein paar Tipps, die uns besonders gut gefallen haben:

Mietwagen ist ein Muss

Kreta ist eine große Insel, und um wirklich alles zu erkunden, solltet ihr euch unbedingt einen Mietwagen nehmen. So könnt ihr flexibel sein und auch die abgelegenen Strände und Dörfer entdecken. Aber Vorsicht, die Straßen sind oft eng und kurvig!

Probiert die lokale Küche

Die kretische Küche ist einfach fantastisch. Vergesst nicht, Dakos, Kalitsounia und natürlich frischen Fisch und Meeresfrüchte zu probieren. Und trinkt dazu einen lokalen Wein oder Raki. Ihr werdet es nicht bereuen!

Verlasst die Touristenpfade

Kreta hat viel mehr zu bieten als nur die berühmten Strände und Sehenswürdigkeiten. Verlasst die Touristenpfade und entdeckt die versteckten Dörfer, die abgelegenen Buchten und die unberührte Natur. So werdet ihr ein authentisches Kreta erleben.

Auf Wiedersehen, Kreta!

Mit einem weinenden Auge verließen wir Kreta. Aber wir wussten, dass wir wiederkommen würden. Diese Insel hat uns verzaubert und einen bleibenden Eindruck in unseren Herzen hinterlassen. Wir nehmen viele unvergessliche Erinnerungen mit nach Hause und freuen uns schon auf unsere nächste Reise nach Kreta.

    👤 Entdecker (30) der abgelegene Orte und unberührte Natur erkunden möchte ✍️ sozial und engagiert