Reisebericht Afrika - Ägypten - Hurghada
Ein langer Weg zum Roten Meer
Drei Jahre hatte ich für diesen Trip gespart, jeden Cent, den ich mir abmühen konnte. Nicht für irgendeinen Pauschalurlaub mit All-Inclusive-Buffet und Liegen am Pool. Nein. Ich wollte runter, ganz runter, wo die Wüste auf das Rote Meer trifft, wo der Wind die Dünen formt und die Unterwasserwelt noch nicht ganz von Touristen erschlossen ist. Ich bin kein Mensch für Hotelanlagen. Ich brauche Herausforderungen, das Gefühl, etwas zu entdecken, mich selbst zu überwinden.Ich hatte genug von meinem Bürojob, von den endlosen Meetings und der grauen Routine. Ich brauchte Farbe, Hitze, Abenteuer. Und ich wusste, dass ich das in Ägypten finden würde. Nicht in den Pyramiden von Gizeh – die sind natürlich beeindruckend, aber auch überlaufen. Ich wollte in die entlegenen Gebiete, zu den Beduinenstämmen, zu den versteckten Tauchspots, die nur die Locals kennen.
Die Entscheidung für Hurghada
Hurghada war dabei nur der Startpunkt. Eigentlich wollte ich direkt weiter südlich, nach Marsa Alam, aber die politische Lage war zu instabil. Also entschied ich mich für diesen Ort als Basis, um von hier aus Touren zu organisieren. Ich hatte mich im Vorfeld intensiv mit der Gegend beschäftigt, Karten studiert, Blogs gelesen, Kontakte geknüpft. Ich hatte ein grobes Bild davon, was ich sehen und erleben wollte: Kitesurfen in den windigen Buchten, Wüstentrekking mit Kamelen, Tauchen zwischen Korallenriffen und vielleicht sogar einen Versuch, den Berg Manasir zu erklimmen – ein zwar nicht allzu hoher, aber dafür abgelegener Berg in der östlichen Wüste.
Die ersten paar Tage plante ich, mich in Hurghada zu orientieren, die Locals kennenzulernen und die richtige Crew für meine Unternehmungen zu finden. Ich hatte gehört, dass es hier einige Beduinen gibt, die sich auf Wüstentouren spezialisiert haben, und ich wollte unbedingt mit ihnen zusammenarbeiten. Ich wollte nicht nur die Landschaft sehen, sondern auch die Kultur erleben, die Geschichten der Menschen hören und von ihrem Wissen profitieren. Das war mir wichtiger als jeder Luxus.
Ich holte mein Gepäck vom Band, ein langes Warten hatte ich glücklicherweise vermieden, und bahnte mir den Weg durch die Menschenmenge nach draußen. Die Hitze schlug mir entgegen, eine trockene, intensive Hitze, die mir sofort ins Gesicht rötete. Ich nahm ein Taxi zu einem kleinen Hotel in Dahar, einem der ältesten Viertel der Stadt. Es war kein Luxusresort, sondern ein einfaches, zweckmäßiges Hotel mit freundlichem Personal und einer Dachterrasse, von der aus man einen Blick auf die Stadt und das Meer hatte.
Erste Eindrücke und die Suche nach Abenteuern
Die Stadt wirkte chaotisch und lebendig zugleich. Überall gab es kleine Läden, Werkstätten, Cafés, die bis auf die Straße reichten. Männer saßen in den Cafés und spielten Schach, Frauen in schwarzen Gewändern eilten ihren Geschäften nach, Kinder lachten und spielten auf den Straßen. Der Geruch von gegrilltem Fleisch und starkem Kaffee lag in der Luft. Es war ein Fest für die Sinne, ein überwältigender Kontrast zu meinem geordneten, kontrollierten Leben zu Hause.
Ich checkte in meinem Hotel ein und ließ meinen Rucksack fallen. Sofort machte ich mich auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Ich schlenderte durch die engen Gassen, beobachtete das Treiben, probierte lokale Spezialitäten und versuchte, ein paar Brocken Arabisch zu lernen. Ich fühlte mich frei und unbeschwert, losgelöst von allen Verpflichtungen und Erwartungen. Ich war angekommen, am Anfang eines Abenteuers, das mich hoffentlich verändern würde. Doch das wahre Abenteuer lag noch vor mir, verborgen in der Wüste und unter dem glitzernden Wasser des Roten Meeres, und ich wusste, dass ich erst am Anfang meiner Suche stand.
Dahar und die Suche nach dem richtigen Boot
Dahar, das alte Viertel, hatte mich sofort in seinen Bann gezogen. Es war nicht nur das bunte Treiben auf den Straßen, sondern auch die Authentizität, die hier noch gelebt wurde. Keine glattgebügelten Touristenpfade, keine aufgesetzten Souvenirläden, sondern das echte Ägypten, rau, ehrlich und lebendig. Ich verbrachte Stunden damit, durch die Gassen zu schlendern, mich zu verirren und einfach nur das Leben zu beobachten.Mein Ziel war, eine Tauchbasis zu finden, die nicht nur Standard-Tagesausflüge anbietet, sondern auch zu den abgelegeneren Spots, von denen ich in diversen Foren gelesen hatte. Das erwies sich als schwieriger als gedacht. Die meisten Anbieter präsentierten die gleichen, überlaufenen Riffe. Ich sprach mit einem Dutzend Basen, aber keiner schien wirklich an individuellen Touren interessiert zu sein. Sie wollten möglichst viele Touristen durchpumpen, ohne sich viel Mühe zu geben. Frustriert saß ich in einem kleinen Café, trank starken, zuckersüßen Tee und überlegte, ob ich meine Pläne ändern musste.
Ein unerwarteter Tipp und das Wrack der "Giannis D."
Es war der alte Mann, der das Café betrieb, der mir den entscheidenden Tipp gab. Er hatte von meinen Bemühungen gehört und erzählte mir von einem Fischer, Abu Khaled, der auch Tauchgänge anbietet, aber nur für Leute, die wirklich etwas Besonderes suchen. Er meinte, Abu Khaled kenne die besten Spots und sei ein erfahrener Taucher, aber er sei auch etwas eigensinnig und nicht leicht zu haben. Ich notierte mir den Namen und die Adresse und machte mich auf den Weg. Abu Khaleds „Basis“ war alles andere als eine professionelle Einrichtung. Es war ein einfacher Holzsteg am Hafen, mit einem kleinen Boot, das eher nach jahrelanger Arbeit als nach modernster Technik aussah. Aber Abu Khaled wirkte kompetent und erfahren. Wir einigten uns auf einen Tauchgang zum Wrack der „Giannis D.“, einem griechischen Frachter, der 1981 gesunken ist und heute eines der bekanntesten Wracks im Roten Meer ist.
Der Tauchgang war atemberaubend. Das Wrack lag in etwa 30 Metern Tiefe und war von Korallen und Fischen bedeckt. Es war, als ob ein ganzes Unterwasserdorf entstanden wäre. Ich schwamm durch die Gänge, erkundete die Überreste der Maschinen und bewunderte die vielfältige Unterwasserwelt. Es war ein unvergessliches Erlebnis.
Die Dünen und der Kamelritt in die Stille
Nach dem Tauchen brauchte ich einen Kontrast zum blauen Wasser. Ich buchte einen Kamelritt in die Wüste. Der Ausgangspunkt war ein kleiner Beduinenhof am Rande der Stadt. Das Kamel, ein störrisches Tier namens Samir, war alles andere als komfortabel. Aber die Fahrt durch die Dünen war magisch. Die Stille, die Weite, die Farben – es war, als ob ich in eine andere Welt eingetaucht wäre. Ich fühlte mich winzig und unbedeutend, aber gleichzeitig frei und verbunden mit der Natur.
Der Beduine, der mich begleitete, erzählte mir Geschichten über das Leben in der Wüste, über die Traditionen und die Herausforderungen. Er zeigte mir, wie man in der Wüste überlebt, wie man Wasser findet und wie man sich vor der Hitze schützt. Es war ein lehrreicher und inspirierender Abend. Als die Sonne unterging und die Dünen in ein goldenes Licht tauchte, fühlte ich mich dem Himmel näher als je zuvor. Der Tag hatte mir gezeigt, dass das wahre Abenteuer nicht darin besteht, die schönsten Orte zu finden, sondern darin, sich auf das Unerwartete einzulassen und sich von der Schönheit und der Stille der Natur verzaubern zu lassen, und dieses Gefühl würde mich auch auf den kommenden Trekkingtouren begleiten.
Die Tage verschmolzen zu einer einzigen, intensiven Erfahrung. Tauchen, Kamelreiten, das Erkunden der Stadt, die Gespräche mit den Locals – es war, als ob ich in einem anderen Leben lebte. Ich hatte bewusst auf Luxus verzichtet, auf organisierte Touren und überfüllte Strände. Ich wollte das echte Ägypten erleben, die raue Schönheit der Wüste, die Gastfreundschaft der Menschen, die Stille der Nacht.
Die Stille der Wüste und die Gastfreundschaft der Beduinen
Ein paar Tage später wagte ich mich tiefer in die Westliche Wüste. Abu Khaled hatte mir einen Beduinen-Guide vermittelt, Omar, einen Mann mit wettergegerbtem Gesicht und freundlichen Augen. Wir fuhren mit einem Geländewagen durch endlose Dünen, vorbei an versteckten Oasen und verlassenen Dörfern. Omar erzählte mir Geschichten über das Leben in der Wüste, über die Traditionen und die Herausforderungen. Er zeigte mir, wie man Wasser findet, wie man sich vor der Hitze schützt und wie man die Sterne liest.
Wir übernachteten in einem Beduinenlager, unter einem unbeschreiblichen Sternenhimmel. Das Essen wurde über offenem Feuer zubereitet, und die Gespräche dauerten bis spät in die Nacht. Ich fühlte mich geborgen und willkommen, als ob ich Teil dieser Gemeinschaft wäre. Es war ein Moment, den ich nie vergessen werde.
Ein letztes Mal unter Wasser
Bevor ich Ägypten verließ, wollte ich noch einmal tauchen. Abu Khaled brachte mich zu einem abgelegenen Riff, weit entfernt von den überfüllten Tauchspots. Das Wasser war kristallklar, und die Unterwasserwelt war atemberaubend. Ich schwamm zwischen bunten Korallen, sah Schildkröten, Rochen und unzählige Fische. Es war ein friedliches und magisches Erlebnis.
Fazit und Empfehlungen
Hurghada war für mich nicht nur ein Urlaubsort, sondern eine Reise zu mir selbst. Ich habe gelernt, auf meine Intuition zu hören, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Ich habe die Gastfreundschaft der Menschen kennengelernt, die Schönheit der Natur entdeckt und meine eigenen Grenzen überwunden.
Wenn du auch auf der Suche nach einem Abenteuer bist, kann ich dir Hurghada nur empfehlen. Aber sei offen für Neues, lass dich treiben und vergiss den Luxus. Suche den Kontakt zu den Locals, erkunde die abgelegenen Orte und lass dich von der Magie Ägyptens verzaubern.
Hier sind ein paar Tipps, die ich dir mit auf den Weg geben möchte:
- Nutze lokale Guides: Sie kennen die besten Spots und können dir die Kultur näherbringen.
- Sei respektvoll: Ägypten ist ein muslimisches Land. Achte auf die religiösen Bräuche und kleide dich angemessen.
- Vermeide überfüllte Touristenorte: Suche die Ruhe und erkunde die abgelegenen Orte.
- Probiere die lokale Küche: Das Essen in Ägypten ist köstlich und vielfältig.
Ich werde diesen Ort und die Menschen hier nie vergessen. Die Sterne über dem Roten Meer werden mich immer an diese unvergessliche Reise erinnern.