Reisebericht Südamerika - Brasilien - Recife
Die Idee und die Vorbereitung
Brasilien war schon lange ein Traum. Nicht die typische Urlaubsreise ins Luxusresort, sondern etwas Echtes, etwas, wo wir als Familie wirklich eintauchen können. Wir sind keine Leute, die gerne auf einer Liege am Strand verbringen, sondern wollen sehen, wie die Leute leben, was sie essen, wo sie lachen. Und das alles, ohne das Konto zu sprengen. Daher die Idee: Campingplätze und Ferienwohnungen, selber kochen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Es war eine ziemliche Planung, ehrlich gesagt. Flüge suchen, die nicht gleich das Budget sprengen, Campingplätze finden, die kinderfreundlich sind und einigermaßen sicher, und dann noch das ganze Drumherum: Impfungen, Reiseversicherung, ein bisschen Portugiesisch lernen. Aber es hat sich gelohnt, denn schon jetzt, bei der Ankunft, spürten wir, dass das ein Abenteuer werden würde.
Warum Recife?
Recife war nicht unbedingt unsere erste Wahl, aber nachdem wir ein bisschen recherchiert hatten, sind wir auf die Stadt gestoßen. Die Stadt liegt an der Ostküste Brasiliens, in Bundesstaat Pernambuco, und sollte nicht ganz so überlaufen sein wie Rio oder São Paulo, und auch preiswerter. Außerdem hatten wir gelesen, dass die Strände wunderschön sein sollen und es eine lebendige Kultur mit viel Musik und Tanz gibt. Das klang nach genau dem, was wir suchten: eine authentische Erfahrung, abseits der Touristenpfade.
Der Weg vom Flughafen zu unserer ersten Unterkunft, einer kleinen Ferienwohnung etwas außerhalb des Stadtzentrums, war schon ein Erlebnis für sich. Wir hatten im Vorfeld einen Transfer gebucht, weil wir mit zwei Kindern und viel Gepäck nicht gleich in einen Bus quetschen wollten. Unser Fahrer, ein freundlicher Mann namens Ricardo, erzählte uns, dass Recife auch als "venezianische Stadt Brasiliens" bekannt ist, weil es viele Kanäle und Brücken gibt. Und tatsächlich, schon auf dem Weg zur Wohnung sahen wir immer wieder kleine Wasserwege, die durch die Stadt fließen. Es war faszinierend, wie das Wasser die Stadt durchzog und ihr ein ganz besonderes Flair verlieh.
Die erste Unterkunft und die Umgebung
Die Ferienwohnung war einfach, aber sauber und zweckmäßig. Zwei Schlafzimmer, eine kleine Küche und ein Badezimmer – alles, was wir brauchten. Das Wichtigste war, dass es einen kleinen Garten gab, wo die Kinder spielen konnten. Die Gegend war eher ruhig und wenig touristisch. Es gab ein paar kleine Läden und Restaurants, wo wir alles brauchten, um uns mit Essen und Trinken zu versorgen. Die Einheimischen waren sehr freundlich und hilfsbereit, auch wenn wir mit unserem holprigen Portugiesisch oft an unsere Grenzen stießen. Aber ein Lächeln und ein bisschen Geduld haben immer geholfen.
Die ersten Eindrücke vom Stadtbild
Am nächsten Tag wagten wir uns dann zum ersten Mal ins Stadtzentrum. Recife ist eine Stadt der Kontraste. Auf der einen Seite gibt es wunderschöne historische Gebäude, wie das Marco Zero, der als Ausgangspunkt der Stadt gilt, und das Paço do Frevo, ein Museum, das dem brasilianischen Tanz Frevo gewidmet ist. Auf der anderen Seite gibt es viele verfallene Gebäude und armutsgeprägte Viertel. Es war schockierend und gleichzeitig berührend, diese beiden Seiten der Stadt zu sehen. Es hat uns gezeigt, dass Brasilien mehr ist als nur Copacabana und Samba, dass es auch eine dunkle Seite hat, die nicht ignoriert werden sollte.
Doch trotz allem spürten wir, dass Recife eine besondere Energie hat. Die Menschen sind lebensfroh und tanzen gerne, die Musik ist allgegenwärtig und das Essen ist unglaublich lecker. Wir probierten Moqueca, ein brasilianisches Fischgericht, und Tapioca, eine Art Pfannkuchen aus Maniokmehl, und waren begeistert. Es war klar, dass wir uns hier wohlfühlen würden. Die nächsten Tage würden wir die Stadt erkunden, die Strände besuchen und die Kultur kennenlernen. Aber schon jetzt wussten wir, dass diese Reise unvergesslich werden würde, und es war der perfekte Startpunkt für unsere Erkundungstour durch das bunte Brasilien.
Olinda: Farbenrausch und Kopfsteinpflaster
Olinda, die ehemalige Hauptstadt von Pernambuco, stand ganz oben auf unserer Liste. Nur eine kurze Busfahrt von Recife entfernt, entpuppte sich die Stadt als ein wahres Juwel. Stell dir vor: Kopfsteinpflasterstraßen, bunte Kolonialhäuser, die sich an den Hängen erstrecken, und überall kleine Kunsthandwerksläden und Cafés. Es war, als wären wir in ein lebendiges Gemälde getreten. Lena war sofort begeistert von den vielen bunten Häusern und rannte von einem zum nächsten, um sie zu fotografieren (mit meiner alten Handykamera, versteht sich). Max hingegen war mehr an den kleinen, verwinkelten Gassen interessiert und versuchte, den Weg zurück zu finden – was ihm meistens nicht gelang, aber das gehörte ja zum Abenteuer.
Wir besuchten die Igreja da Sé, eine imposante Kirche auf dem höchsten Punkt der Stadt, und genossen den atemberaubenden Blick über Recife und das Meer. Danach schlenderten wir durch die Rua do Amparo, eine der Hauptstraßen von Olinda, und bestaunten die vielen Kunstwerke, die in den kleinen Galerien ausgestellt waren. Wir kauften ein paar kleine Souvenirs – eine handbemalte Fliese für Lenas Zimmer und einen kleinen Holzfrosch für Max, der ihn an die Geräusche erinnert, die wir in der Nacht gehört hatten.
Ein kleiner Zwischenfall auf dem Mercado da Ribeira
Am nächsten Tag wagten wir uns auf den Mercado da Ribeira, einen riesigen Markt am Flussufer. Es war ein einziges Chaos – Händler, die lautstark ihre Waren anpriesen, Menschen, die sich durch die Gänge drängten, und überall duftete es nach frischem Obst, Gemüse und Gewürzen. Wir wollten ein paar Mangos kaufen, aber Max verirrte sich im Gedränge. Für einen Moment ging mir das Herz in die Hose, aber dann sahen wir ihn, wie er gerade versuchte, einem Straßenmusiker eine Münze in den Hut zu werfen. Wir waren erleichtert, dass er nichts weiter unternommen hatte, aber es war eine Warnung, dass man in solchen Menschenmengen immer die Augen offen halten muss.
Boa Viagem und der Ruf des Atlantiks
Natürlich durfte auch ein Strandbesuch nicht fehlen. Wir fuhren nach Boa Viagem, einem beliebten Strand in Recife. Das Wasser war warm und klar, und die Wellen waren ideal zum Schwimmen und Spielen. Max baute eine riesige Sandburg, die er stolz präsentierte, während Lena Muscheln sammelte und sie in ihren kleinen Eimer füllte. Wir verbrachten den ganzen Nachmittag am Strand, badeten, sonnten uns und genossen die entspannte Atmosphäre. Allerdings gab es einen kleinen Haken: Die Strände in Recife sind bekannt für ihre Hai-Attacken. Es gab zwar Schutznetze, aber trotzdem waren wir ein bisschen angespannt, besonders als wir sahen, wie ein Fischer einen kleinen Hai an Land zog. Wir beschlossen, nicht zu weit ins Wasser zu gehen und die Kinder im Auge zu behalten.
Kulinarische Entdeckungen und kleine Herausforderungen
Neben den Sehenswürdigkeiten und den Stränden haben wir auch die lokale Küche erkundet. Wir probierten verschiedene Spezialitäten, wie Acarajé (frittierte Bohnenkuchen), Vatapá (eine Art Eintopf) und Bolo de Rolo (ein gerollter Kuchen). Es war lecker, aber manchmal auch eine Herausforderung für unsere europäischen Gaumen. Einmal bestellten wir in einem kleinen Restaurant etwas, das sich als scharfe Chili-Suppe entpuppte. Lena weinte bitterlich, aber Max fand es toll und aß alles auf. Es war ein lustiger Moment, der uns gezeigt hat, dass Essen mehr ist als nur Nahrung – es ist auch eine Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen.
Unsere Reise nach Recife neigte sich dem Ende zu, und wir waren uns einig, dass es ein unvergessliches Abenteuer gewesen war. Wir hatten die Stadt mit ihren Kontrasten, die freundlichen Menschen und die leckere Küche kennengelernt, und wir hatten viele neue Erfahrungen gesammelt. Die Erinnerungen an bunte Häuser, den Duft von Gewürzen und das Rauschen des Atlantiks werden uns noch lange begleiten, und wir wussten, dass dies nicht unsere letzte Reise nach Brasilien gewesen sein würde.
Der letzte Morgen in Recife fühlte sich irgendwie surreal an. Es war, als ob die Zeit viel zu schnell vergangen wäre. Lena und Max saßen schon gepackt auf ihren Koffern und spielten noch schnell ein bisschen mit ihren Souvenirs. Ich stand am Fenster und blickte auf die bunte Stadt, die sich langsam erwachte. Das Geräusch der Händler, die ihre Waren anpriesen, drang bis in unser kleines Ferienhaus. Es war ein wunderschöner Lärm, der uns daran erinnerte, wie lebendig und authentisch Recife ist.
Ein letzter Spaziergang durch Olinda
Wir beschlossen, noch einen letzten Ausflug nach Olinda zu machen. Wir wollten die Stadt noch einmal in uns aufsaugen, bevor es zurück nach Hause ging. Die engen Gassen waren voller Künstler und Handwerker, die ihre Werke präsentierten. Wir kauften noch ein paar kleine Geschenke für die Großeltern und aßen ein leckeres Eis in einem kleinen Café. Lena und Max waren begeistert von den bunten Häusern und den kleinen Geschäften. Es war ein perfekter Abschied von dieser wunderschönen Stadt.
Die kleinen Dinge, die bleiben
Was uns am meisten an Recife in Erinnerung bleiben wird, sind die kleinen Dinge. Das Lächeln der Menschen, die freundliche Art, mit der sie uns begegnet sind, das leckere Essen, die bunten Häuser und die lebendige Kultur. Es war eine Reise, die uns viel mehr gegeben hat, als wir erwartet haben. Wir haben gelernt, dass man nicht viel Geld braucht, um glücklich zu sein, dass man die kleinen Dinge im Leben wertschätzen muss und dass man offen sein muss für neue Kulturen und Erfahrungen.
Tipps für eine Reise nach Recife mit Kindern
Wenn ihr plant, Recife mit Kindern zu besuchen, hier ein paar Tipps: Packt bequeme Schuhe ein, denn ihr werdet viel laufen. Nehmt Sonnencreme, Hüte und Sonnenbrillen mit, denn die Sonne ist sehr stark. Probiert das lokale Essen, aber seid vorsichtig mit scharfen Gerichten. Nehmt genügend Wasser mit, besonders wenn ihr im Freien unterwegs seid. Seid offen für neue Erfahrungen und genießt die lebendige Kultur. Und vor allem: Habt Spaß!
Wir werden Recife nie vergessen. Es war eine Reise, die uns verändert hat und uns viele schöne Erinnerungen beschert hat. Wir hoffen, dass wir bald wiederkommen können, um diese wunderschöne Stadt noch einmal zu erleben.
Die letzten Stunden vergingen wie im Flug. Der Transfer zum Flughafen war problemlos. Am Flughafen checkten wir ein und verabschiedeten uns von Brasilien. Die Kinder waren traurig, aber auch aufgeregt, wieder nach Hause zu kommen. Wir versprachen ihnen, dass wir bald wieder eine neue Reise planen würden.
Als unser Flug abhob, blickten wir ein letztes Mal auf Recife. Die Stadt lag uns zu Füßen, bunt und lebendig. Wir winkten zum Abschied und versprachen uns, dass wir eines Tages wiederkommen würden.