Afrika - Tunesien - Hammamet

Reisebericht Afrika - Tunesien - Hammamet

Der Geruch von Minztee und Abgasen hängt in der Luft, vermischt mit dem salzigen Duft des Meeres. Ich steige aus dem überfüllten *louage* – so eine Art geteiltes Taxi – in Hammamet aus. Es ist heiß, staubig und alles ist ein bisschen lauter, als ich es gewohnt bin. 20 Jahre alt, ein halbvoller Rucksack und die Idee, ein paar Monate durch Nordafrika zu trampen, kombiniert mit Workaways, um das Budget zu schonen. So sah der Plan aus.

Erste Schritte in Hammamet

Hammamet. Der Name klang schon immer ein bisschen nach Tausendundeiner Nacht, aber die Realität ist… anders. Viel mehr Chaos, viel weniger Märchen. Aber das ist okay. Ich mag das. Der Busbahnhof ist ein einziges Gewirr aus Menschen, Taxifahrern, die dich anpumpen, und Verkäufern, die alles Mögliche anbieten. Ich drängle mich durch die Menge, auf der Suche nach meinem Hostel. Die ersten paar Worte Arabisch, die ich lerne, sind “La, shukran” – Nein, danke. Funktioniert erstaunlich gut.

Hostel-Leben

Das Hostel ist einfach, aber sauber. Ein paar Gemeinschaftsräume, eine Dachterrasse mit Blick auf die Medina und eine entspannte Atmosphäre. Schnell lerne ich ein paar andere Reisende kennen: Eine deutsche Studentin, die für ein Semester Arabisch lernt, ein französisches Paar, das mit dem Fahrrad durch Tunesien tourt, und ein australischer Surfer, der auf der Suche nach den besten Wellen ist. Wir tauschen Reisetipps aus, lachen über Missverständnisse und planen gemeinsame Unternehmungen. Die Abende verbringen wir auf der Dachterrasse, mit Minztee und Geschichten von unseren Abenteuern.

Workaway-Suche

Der Grund für meine Reise ist nicht nur das Backpacking. Ich möchte auch etwas Sinnvolles tun, die Kultur wirklich erleben und nicht nur als Tourist durch die Gegend ziehen. Workaway ist eine Plattform, auf der man seine Arbeitskraft gegen Unterkunft und Verpflegung eintauschen kann. Ich hatte vorab schon Kontakt zu einer kleinen Bio-Ferme etwas außerhalb von Hammamet aufgenommen. Ein paar Stunden Arbeit im Gemüsegarten gegen ein Zimmer und Essen. Klingt gut, oder?

Erste Erkundungen

Ich lasse den Koffer im Hostel und mache mich direkt auf den Weg, um die Medina zu erkunden. Es ist ein Labyrinth aus engen Gassen, gefüllt mit kleinen Läden, Werkstätten und Cafés. Überall duftet es nach Gewürzen, frischem Brot und süßem Tee. Ich verliere mich schnell, aber das ist kein Problem. Einfach treiben lassen und die Atmosphäre genießen. Ich kaufe ein paar Datteln und ein Stück Baklava von einem freundlichen Händler. Er versucht, mir noch ein paar Teppiche zu verkaufen, aber ich bestehe freundlich darauf, dass ich nichts brauche. Dann entdecke ich eine kleine Werkstatt, in der ein Handwerker filigrane Holzarbeiten herstellt. Ich schaue ihm stundenlang über die Schulter, fasziniert von seiner Geschicklichkeit.

Die Medina und ihre Geräusche

Die Medina ist laut. Ein ständiges Gemurmel aus Gesprächen, Gelächter, dem Hupen von Mopeds und dem Ruf der Gebetsrufer. Es ist anstrengend, aber auch belebend. Ich sitze in einem kleinen Café, trinke Minztee und beobachte das Treiben. Ein alter Mann spielt Oud, ein traditionelles arabisches Instrument. Die Musik ist melancholisch und wunderschön. Ich lerne schnell, dass man in Tunesien viel verhandeln muss. Die Preise sind fast immer überhöht, besonders für Touristen. Aber mit ein bisschen Geduld und Humor kann man fast immer einen guten Deal machen. Wichtig ist, freundlich zu bleiben und nicht zu gierig zu sein.

Aufbruch zur Farm

Nach ein paar Tagen in Hammamet ist es Zeit für den nächsten Schritt: Die Bio-Ferme. Ich packe meinen Rucksack, nehme Abschied von meinen neuen Freunden im Hostel und mache mich auf den Weg. Die Farm liegt etwas außerhalb der Stadt, in einer ländlichen Gegend. Ich muss noch ein Stück mit dem Bus fahren und dann zu Fuß gehen. Aber ich bin gespannt, wie es dort sein wird und freue mich auf die Arbeit im Freien. Die Geräusche der Stadt verstummen langsam, während ich mich immer weiter vom Zentrum entferne und die Landschaft sich verändert. Ich bin gespannt, welche neuen Eindrücke und Begegnungen mich auf dieser Farm erwarten werden.Die Geräusche der Stadt verstummen langsam, während ich mich immer weiter vom Zentrum entferne und die Landschaft sich verändert. Ich bin gespannt, welche neuen Eindrücke und Begegnungen mich auf dieser Farm erwarten werden.

Ankunft auf der Bio-Ferme

Die Farm ist idyllisch gelegen, umgeben von Olivenhainen und Gemüsefeldern. Ein einfaches, aber gemütliches Haus, ein paar Hühner, die herumgackern, und eine Familie, die mich herzlich empfängt. Mohammed, der Besitzer, ist ein freundlicher Mann mit einem breiten Lächeln und einer ruhigen Art. Er erklärt mir, dass die Farm schon seit Generationen im Familienbesitz ist und dass sie Wert auf ökologischen Anbau und Nachhaltigkeit legen.

Arbeit im Gemüsegarten

Die Arbeit ist anstrengend, aber befriedigend. Ich helfe beim Jäten, Gießen und Ernten von Gemüse. Die Sonne brennt auf meiner Haut, und ich bin schnell erschöpft. Aber die frische Luft, die Nähe zur Natur und die freundliche Gesellschaft machen alles wett. Mohammed und seine Familie zeigen mir, wie man traditionelle tunesische Gerichte zubereitet, und ich lerne viel über die lokale Küche. Abends sitzen wir zusammen und essen unter dem Sternenhimmel.

Besuch im Fischerdorf

Einmal pro Woche fährt Mohammed in das nahegelegene Fischerdorf, um frischen Fisch zu kaufen. Er lädt mich ein, ihn zu begleiten. Das Dorf ist ein farbenfrohes Spektakel aus kleinen Häusern, bunten Booten und geschäftigen Menschen. Überall riecht es nach Meer und Fisch. Wir laufen durch die engen Gassen und beobachten das Treiben. Ich kaufe ein paar frische Sardinen und lasse sie direkt am Strand grillen.

Verirrten in der Medina von Sidi Bou Said

An einem freien Tag beschließe ich, den malerischen Küstenort Sidi Bou Said zu besuchen, berühmt für seine blau-weißen Häuser. Ich verlasse mich auf mein Handy und die Google Maps-App, um mich zurechtzufinden. Eine große Fehler, wie sich herausstellt. Irgendwann verliere ich den Internetempfang und irre mich in den verwinkelten Gassen der Medina. Ich frage zwar nach dem Weg, aber niemand spricht Englisch oder Französisch. Nach einer gefühlten Ewigkeit finde ich doch noch den Weg zurück zum Busbahnhof, aber ich habe eine wertvolle Lektion gelernt: Man sollte sich in unbekannten Gegenden nicht zu sehr auf die Technik verlassen.

Die kleinen Dinge

Es sind die kleinen Dinge, die diese Reise so besonders machen: Das Lächeln eines Fremden, der einem den Weg weist, der Duft von Jasmin in der Luft, das leise Rauschen des Meeres, das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Ich lerne, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Oft reichen schon die einfachen Dinge im Leben. Ich sitze abends auf der Veranda der Farm, trinke Minztee und schaue auf die Sterne. Es ist ein magischer Moment. Ich fühle mich geborgen und zufrieden.

Weiterreise und Fazit

Nach zwei Wochen auf der Farm ist es Zeit, weiterzuziehen. Ich nehme Abschied von Mohammed und seiner Familie, verspreche, sie wieder zu besuchen, und mache mich auf den Weg zum nächsten Abenteuer. Die Zeit in Tunesien war eine unvergessliche Erfahrung, die mich gelehrt hat, die Welt mit anderen Augen zu sehen und die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Diese Reise wird mich noch lange begleiten.

Die Busfahrt von der Farm zurück nach Tunis war lang, staubig und voller Leben. Kinder winkten uns zu, Händler feilschen lautstark und der Geruch von gegrilltem Fleisch lag in der Luft. Ich saß am Fenster und ließ die Landschaft an mir vorbeiziehen. Es war ein bittersüßer Abschied von dieser kleinen Farm, von der Ruhe und der Gastfreundschaft.

Rückblick auf die Reise

Tunesien hat mich überrascht. Ich hatte ehrlich gesagt keine genauen Vorstellungen, was mich erwarten würde. Ich wusste nur, dass ich raus wollte, etwas Neues erleben und gleichzeitig mein Budget schonen wollte. Das ist mir gelungen. Die Kombination aus Backpacking und Workaway war perfekt. Ich habe nicht nur wunderschöne Orte gesehen, sondern auch die Kultur hautnah erlebt und dabei noch geholfen, wo ich konnte.

Herausforderungen und Erkenntnisse

Es war nicht immer einfach. Die Sprachbarriere war manchmal frustrierend, das ständige Feilschen anstrengend und die Hitze unerträglich. Aber diese Herausforderungen haben mich nur stärker gemacht. Ich habe gelernt, mich anzupassen, improvisieren und auf die Hilfe anderer Menschen zu vertrauen. Ich habe gelernt, dass Glück nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern von den kleinen Dingen im Leben: Ein Lächeln, ein gutes Gespräch, ein atemberaubender Sonnenuntergang.

Tipps für angehende Reisende

Wenn du vorhast, nach Tunesien zu reisen, hier ein paar Tipps: Pack nicht zu viel ein. Du wirst sowieso noch etwas kaufen. Lerne ein paar grundlegende Arabischkenntnisse. Es wird dir helfen, dich zu verständigen und Respekt zu zeigen. Sei offen für neue Erfahrungen und lass dich einfach treiben. Und vergiss nicht, zu verhandeln! Achte auf deine Wertsachen, besonders in den Touristengebieten. Probiere unbedingt das lokale Essen. Die tunesische Küche ist unglaublich vielfältig und lecker. Und hab keine Angst, dich zu verlaufen. Manchmal findet man auf dem Irrweg die schönsten Orte.

Hammamet im Rückblick

Hammamet selbst ist ein bunter Mix aus Tradition und Moderne. Die Medina ist ein Labyrinth aus engen Gassen, gefüllt mit kleinen Läden und Cafés. Der Strand ist wunderschön, aber auch sehr touristisch. Die Bio-Ferme außerhalb der Stadt war mein persönliches Highlight. Dort konnte ich die Ruhe und die Natur genießen und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun.

Ich habe gelernt, dass Reisen nicht nur bedeutet, Orte zu sehen, sondern auch Menschen kennenzulernen und andere Kulturen zu verstehen. Es geht darum, seinen Horizont zu erweitern, Vorurteile abzubauen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Und es geht darum, sich selbst besser kennenzulernen.

Ich werde Tunesien nicht vergessen. Es ist ein Land, das mich verändert hat. Ein Land, das mir gezeigt hat, dass Glück einfach sein kann. Und ein Land, das ich jedem empfehlen kann, der auf der Suche nach einem authentischen Reiseerlebnis ist.

    👤 Alleinreisende Frau (40) die sich auf Selbstfindungstour begibt ✍️ audiovisuell und immersiv