Asien - Jordanien - Amman

Die verborgenen Reben Jordaniens

Der Duft von Minze und einer undefinierbaren Süße kitzelte in meiner Nase, vermischt mit dem staubigen Geruch des alten Steins. Ich stand am Flughafen Queen Alia in Amman, mitten in einer Menschenmenge, die sich mit einer lässigen Gelassenheit durch die Ankunftshalle bewegte. Es war warm, nicht drückend, eher einladend, und das Licht, das durch die riesigen Fenster fiel, schien alles in einen goldenen Ton zu tauchen.

Ein Traum von alten Reben

Ich bin kein Abenteurer, zumindest nicht im klassischen Sinne. Ich bin eher ein Suchender, ein Geniesser. Seit Jahren reise ich durch die Weinregionen Europas, immer auf der Suche nach dem perfekten Tropfen, dem einzigartigen Terroir, der Geschichte hinter jeder Flasche. Aber irgendwann, nach unzähligen Touren durch die Toskana, Bordeaux und das Rheingau, verspürte ich eine Sehnsucht nach etwas Neuem, nach einem Land, in dem Wein nicht nur ein Produkt, sondern ein Teil der Kultur ist. Jordanien schien mir ein solcher Ort zu sein, ein Land mit einer langen Weinbautradition, die fast in Vergessenheit geraten war.

Eigentlich war es meine Frau, Elisabeth, die den entscheidenden Impuls gab. Sie ist Historikerin und hat sich intensiv mit den alten Handelsrouten beschäftigt. Vor Jahren las sie einen Artikel über die Phönizier, die vor Jahrtausenden Weinbau in diese Region brachten. Sie erzählte mir von den Kreuzfahrern, die hier Wein anlegten, und von den osmanischen Einflüssen. Elisabeth konnte mich schnell begeistern und gemeinsam beschlossen wir, diese verborgene Weinkultur zu erkunden.

Erste Eindrücke

Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt war eine Offenbarung. Amman ist eine Stadt der Kontraste, erbaut auf sieben Hügeln, mit modernen Gebäuden, die neben antiken Ruinen stehen. Überall waren diese pastellfarbenen Häuser, die sich an die Hänge schmiegen, und dazwischen diese kleinen Läden, die alles Mögliche verkauften – Gewürze, Obst, Gemüse, Handwerkskunst.

Ich beobachtete die Menschen, ihre Gesichter, ihre Kleidung. Es war eine Mischung aus Tradition und Moderne, aus Ost und West. Viele Frauen trugen Kopftücher, aber auch Jeans und T-Shirts. Die Männer waren elegant gekleidet, oft in dunklen Anzügen oder traditionellen Gewändern. Es herrschte eine angenehme Hektik, ein ständiges Kommen und Gehen, aber ohne die Hektik, die ich von europäischen Großstädten kenne.

Unser Hotel lag in einem der älteren Viertel, in einer ruhigen Seitenstraße. Es war ein kleines, charmantes Boutique-Hotel, mit einem Innenhof, in dem Zitronen- und Orangenbäume wuchsen. Der Empfang war herzlich, und schon bald standen wir mit einem Glas Minztee in der Hand auf der Terrasse, um die Aussicht zu genießen. Von hier aus konnten wir die ganze Stadt sehen, die sich bis zum Horizont erstreckte, ein Meer aus Häusern und Straßen, durchzogen von den grünen Hügeln.

Auf der Suche nach verborgenen Schätzen

Ich hatte im Vorfeld recherchiert und einige Weingüter in der Umgebung ausfindig gemacht, aber die meisten waren klein und wenig bekannt. Viele betrieben Weinbau nur im Nebenerwerb, und die Qualität war oft schwer einzuschätzen. Aber genau das war es, was mich reizte. Ich wollte nicht nur fertige Weine probieren, sondern auch die Menschen hinter den Kulissen kennenlernen, ihre Geschichten erfahren, ihre Leidenschaft verstehen.

Ich hoffte, dass ich in diesen kleinen Weingütern nicht nur interessante Weine finden würde, sondern auch einen Einblick in die jordanische Kultur und Lebensart. Ich wollte mich treiben lassen, die Aromen und Düfte aufnehmen, die Klänge und Farben erleben. Ich wollte mich von der Magie dieses Landes verzaubern lassen.

Die kommenden Tage würden zeigen, ob meine Erwartungen erfüllt werden. Aber ich spürte bereits jetzt, dass diese Reise etwas Besonderes werden würde. Etwas, das mich verändern würde. Und ich war bereit dafür.

Doch bevor ich mich auf die Suche nach den verborgenen Schätzen der jordanischen Weinkultur begab, wollte ich mich zuerst einmal mit der Stadt Amman vertraut machen und mich von ihrem Charme verzaubern lassen.

Das Herz der Altstadt

Die ersten Tage in Amman verbrachte ich damit, mich einfach treiben zu lassen. Ich verirrte mich gerne in den engen Gassen der Altstadt, dem sogenannten "Balad". Es war ein Labyrinth aus kleinen Läden, Werkstätten und Cafés, in denen der Duft von Kaffee, Gewürzen und frisch gebackenem Brot in der Luft lag. Überall waren Menschen, die handelten, lachten, plauderten. Es war ein lebendiges, authentisches Bild von jordanischem Alltag.

Ich entdeckte kleine, versteckte Höfe, in denen alte Männer Schach spielten, und Werkstätten, in denen Kunsthandwerker traditionelle Keramik und Metallarbeiten herstellten. Ich probierte lokale Spezialitäten wie Falafel und Hummus in kleinen Imbissständen, und trank starken, süßen arabischen Kaffee in einem der vielen Cafés. Die Gastfreundschaft der Menschen war überwältigend. Überall wurde ich mit einem Lächeln empfangen und mit Tee oder Kaffee eingeladen.

Einmal, als ich mich in einer besonders engen Gasse verirrt hatte, bot mir ein älterer Mann seine Hilfe an. Er sprach kaum Englisch, aber mit Händen und Füßen erklärte er mir den Weg zu meinem Hotel. Auf dem Weg dorthin zeigte er mir einige der versteckten Sehenswürdigkeiten der Altstadt, wie eine alte römische Kirche und einen verlassenen Brunnen. Es war ein unerwartetes, aber wunderschönes Erlebnis.

Rainbow Street und Jabal Al Weibdeh

Neben der Altstadt erkundete ich auch die modernen Viertel von Amman, wie die Rainbow Street und Jabal Al Weibdeh. Die Rainbow Street ist eine lebhafte Straße mit vielen Cafés, Restaurants, Kunstgalerien und Boutiquen. Hier traf ich viele junge Leute, Studenten und Künstler, die die kreative Atmosphäre der Stadt genossen. Ich saß stundenlang in einem der Cafés und beobachtete das bunte Treiben, während ich einen starken arabischen Kaffee trank.

Jabal Al Weibdeh ist ein Viertel mit vielen alten Häusern und Villen, die in den 1920er und 1930er Jahren erbaut wurden. Hier gibt es viele Kunstgalerien, Buchhandlungen und kleine, unabhängige Geschäfte. Ich besuchte eine kleine Buchhandlung, in der ich einige seltene Ausgaben über die Geschichte des Nahen Ostens fand. Der Besitzer, ein freundlicher Mann mit einem langen Bart, erzählte mir viel über die Geschichte der Stadt und die Bedeutung der Bücher. Er bot mir eine Tasse starken Tee an und wir unterhielten uns stundenlang über Literatur, Geschichte und das Leben im Allgemeinen.

Ein kleiner Zwischenfall

Einmal, als ich versuchte, mit dem Taxi zu einem Weingut außerhalb der Stadt zu fahren, kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Der Taxifahrer sprach kein Englisch und ich kein Arabisch. Ich zeigte ihm die Adresse auf einem Stadtplan, aber er schien sie nicht zu verstehen. Wir fuhren eine Weile ziellos herum, bis ich begann, mich zu sorgen, dass wir den ganzen Tag unterwegs sein würden.

Schließlich entdeckte ich einen jungen Mann, der Englisch sprach. Ich bat ihn, mit dem Taxifahrer zu sprechen und ihm den Weg zu erklären. Der junge Mann erklärte geduldig die Adresse und gab dem Taxifahrer eine genaue Wegbeschreibung. Der Taxifahrer bedankte sich bei uns und fuhr dann in die richtige Richtung. Es war ein kleines Abenteuer, aber es zeigte mir einmal mehr die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen in Jordanien.

Doch während ich diese belebten Stadtteile erkundete, spürte ich, dass das wahre Jordanien irgendwo anders lag, versteckt in den Hügeln und Tälern, in den kleinen Dörfern und Weingütern, die darauf warteten, entdeckt zu werden, und ich wusste, dass mein eigentliches Abenteuer erst noch begann.

Die Tage vergingen wie im Flug, und ich hatte das Gefühl, einen kleinen Teil der Seele Jordaniens kennengelernt zu haben. Es war nicht nur die Schönheit der Landschaft, die mich beeindruckt hatte, sondern vor allem die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen. Ich hatte mich in die engen Gassen der Altstadt verliebt, in das bunte Treiben auf den Märkten, in die Ruhe der Berge und in den Duft der Gewürze.

Die Suche nach dem besonderen Tropfen

Natürlich drehte sich meine Reise auch um den Wein. Ich besuchte einige kleine Weingüter in den Bergen, die von Familien geführt wurden und seit Generationen Weinbautradition pflegten. Die Weine waren anders als die, die ich aus Europa kannte. Sie waren kräftiger, fruchtiger, mit einem Hauch von Erde und Sonne. Ich lernte die Winzer kennen, hörte ihre Geschichten, probierte ihre Weine und spürte ihre Leidenschaft.

Ein Weingut, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, lag in einem kleinen Dorf in den Bergen. Der Winzer, ein älterer Mann mit freundlichen Augen, führte mich durch seine Reben und erklärte mir die Besonderheiten des Weinbaus in dieser Region. Er erzählte mir, dass seine Familie seit Generationen Wein anbaut und dass er stolz darauf sei, die Tradition fortzuführen. Wir saßen zusammen in seinem Keller und probierten seine Weine, während er mir Geschichten aus seinem Leben erzählte. Es war ein magischer Moment, den ich nie vergessen werde.

Der Zauber der jordanischen Küche

Neben dem Wein durfte auch die jordanische Küche nicht zu kurz kommen. Ich probierte viele lokale Spezialitäten, wie Mansaf, das Nationalgericht Jordaniens, das aus Lammfleisch und Reis besteht, und Maqluba, ein Gericht aus Reis, Gemüse und Fleisch, das auf den Kopf gestellt serviert wird. Ich aß Falafel und Hummus in kleinen Imbissständen, und trank starken, süßen arabischen Kaffee in Cafés. Jedes Gericht war eine Offenbarung, eine Explosion von Aromen und Düften.

Ich lernte, dass die jordanische Küche nicht nur lecker, sondern auch sozial ist. Die Menschen sitzen gerne zusammen und teilen Mahlzeiten mit Freunden und Familie. Essen ist ein wichtiger Teil der Kultur, ein Ausdruck von Gastfreundschaft und Zusammenhalt.

Ein Fazit und ein Versprechen

Jordanien hat mich verzaubert. Es ist ein Land voller Kontraste, voller Schönheit, voller Geschichte und Kultur. Ich bin dankbar für die vielen unvergesslichen Momente, die ich hier erleben durfte, für die Freundlichkeit der Menschen, für die Schönheit der Landschaft und für den Geschmack des Weins.

Ich werde wiederkommen. Ich verspreche es. Ich möchte noch mehr von diesem faszinierenden Land entdecken, noch mehr von seiner Kultur lernen und noch mehr von seinen Menschen kennenlernen. Jordanien ist ein Ort, der einen für immer verändert. Ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen und das Leben in vollen Zügen genießen kann.

    • Die Altstadt von Amman (Balad)
    • Das kleine Weingut in den Bergen
    • Die Kunstgalerien in Jabal Al Weibdeh
    • Die engen Gassen von Amman
👤 Weinliebhaber (50) der Weinregionen erkundet und Weinproben unternimmt ✍️ romantisch und verträumt